Bericht von der Gemeinderatssitzung
(Blättle 18.2.99)

Bauanträge Telefonzelle Bruckwiesen wird abgebaut
Ortsmitte: Zone 30? Neue Postagentur ab März
Planung für Ledergasse läuft an Neues Rührwerk für Regenüberlaufbecken
Wasserversorgung: Preis bleibt gleich Hattenhofer Rathaus soll modernisiert werden

Bauanträge
Alle fünf vorgelegten Bauanträge erhielten das Einvernehmen des Gemeinderats: Grünfutter-Holzsilo Hauptstraße 3, Wohnhaus Reustadt 32/1, Geräteschuppen und Schafstall, Flurstück 3571, Doppelhaus Zeller Straße 13/1 und 13/2 und Zweifamilienhaus Zeller Straße 13/3. Der Geräteschuppen mit Schafstall in Reustadt muß standortgerecht eingegrünt werden. Für den Bau des Doppelhauses Zeller Straße 13/2 müssen zwei Bäume fallen, dafür wird an anderer Stelle ein Obstbaum gepflanzt.

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Ortsmitte: Zone 30?
Straßenbreite, Bushalt und Zebrastreifen regelt Verkehrsschau
Im wesentlichen klar ist die Detailplanung für den Rathausplatz bis zur Sillerhalle. Die gemeindliche Planung muß jedoch noch in einer Verkehrsschau am 1. März von den Fachbebörden genehmigt werden. Der Abschnitt von der Evangelischen Kirche bis zur Sillerhalle soll nach den Vorstellungen des Gemeinderats als Zone 30 ausgewiesen werden. Der Fußgängerüberweg beim Ratbaus wird nach unten auf Höhe Ledergasse verlegt. Die Fahrbahnbreite von derzeit 7,50 m soll sich ab der Evangelischen Kirche auf 6,00 m verengen und im Bereich des Fußgängerüberwegs bis auf 5,00 m reduziert, danach bis zur Sillerhalle wieder auf 6,00 m verbreitert werden. Bei diesem Punkt sind jedoch die Bedürfnisse des Busverkehrs noch abzuklären.
Keine Einigkeit erreichte der Gemeinderat bei der Frage, wo künftig die Busse halten sollen. Es gibt zwei Varianten: Nach der ersten Variante soll der von Schlierbach kommende Bus auf Höhe des Rathauses halten. Dort wäre im Eingangsbereich eine Unterstellmöglichkelt für wartende Kunden. Damit würde man auch den Wünschen der Anlieger der bisherigen Bushaltestelle entsprechen, die sich über das Verhalten der Schüler von und nach Zell beschweren. Die andere Variante sieht vor, den abwärtsfahrenden Bus etwa auf der bisherigen Höhe halten zu lassen, allerdings nicht mehr in einer Busbucht, sondern auf der Straße. Architekt Köber hatte beide Varianten dargelegt. Die Bushaltestelle muß unmittelbar am Fußgängerüberweg sein, war eine Meinung im Gremium. Weil nur dann der Fußgängerüberweg von den Kindern bzw. Schülern angenommen werden würde. Die zentrale Lage am Rathausp latz würde diesen zudem durch ein- und aussteigende Fahrgäste beleben. Andere Redner gaben eine gegenteilige Prognose des kunftigen Querungsverhaltens der Schüler: Die Bushaltestelle müsse auf Höhe Rathaus gesetzt werden, nur dann würden die Kinder auch den Zebrastreifen nutzen und nicht weiter unten auf Höhe Apotheke frei über die Straße laufen. Zudem müsse man die Anlieger entlasten. Eine dritte Variante war der Vorschlag eines Gemeinderats, auf Höhe des Rathauses eine neue Busbucht zu schaffen, um im Winter bei haltenden Bussen auf der Straße keine Auffahrunfälle zu verursachen. Einigkeit im Gremium bis auf die Frage des Busstandorts konstatierte Bürgermeister Jochen Reutter. Diese Frage wird letztlich die Verkehrsschau am 1. März verbindlich regeln.

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Planung für Ledergasse läuft an
Im Grundsatz einig ist sich der Gemeinderat auch hinsichtlich der künftigen Gestaltung der Freiflächen zwischen Ledergasse und Schule. Die Planung von Architekt Kober sieht vor, dort 24 neue Parkplätze mit Rasengittersteinen anzulegen. Sowohl die Plätze als auch die Zufahrt werden begrünt, so daß keine Versiegelung entsteht. Die Fläche kann multifunktional genutzt werden, z.B. auch für Veranstaltungen. Architekt und Verwaltung könnten sich auch vorstellen, den vorhandenen großen Parkplatz in der Ledergasse zu entsiegeln und ebenfalls mit Rasengittersteinen anzulegen. Die Grundstücke an der Ledergasse selbst sollen wieder bebaut werden. Hierfür gibt es drei Varianten:
Planer und Verwaltung schlagen vor, dort ein giebelständiges Wohngebäude zu errichten, um die für die Wohnqualität wichtige Südlage auszunutzen.
Eine andere Alternative ist der Bau eines traufständigen Gebäudes, von der Straße abgesetzt, damit dort auch Gartenfläche entsteht. Die dritte Variante, traufständige Gebäude direkt an der Ledergasse, hält der Planer nicht für marktfähig.
Im Rahmen der Bürgerfragestunde hatte ein Zuhörer angeregt, die Freifläche auf dem Gallus-Gelände zu 100% zu vermarkten bzw. für Bauträger zur Verfügung zu stellen und dafür die Freifläche in der Ledergasse unbebaut als Platz zu erhalten. Mit diesem Vorschlag wollten sich Bürgermeister und Gemeinderat nicht anfreunden, zumal schon in früheren Planungsstadien dargelegt worden war, daß auf dem Gallus-Gelände der Naturraum erhalten und bis an die Ortsmitte herangeführt werden soll. Nur am Rand zu Dorfwiesen hin ist eine abrundende Bebauung möglich. Die jetzige Planung in der Ledergasse greift die Anliegen der überwiegenden Mehrheit der Bürger auf. Viele hatten sich zusätzlich Parkplätze im Bereich Ledergasse gewünscht. Zudem hat die Fläche in der Ledergasse keinen Platzcharakter, es fehlen die Platzwände, wie Architekt Köber erläuterte. Ein Gemeinderat kritisierte die Schaffung der neuen Stellplätze an der Schule als kontraproduktiv, man fördere dort den Kfz-Verkehr. Zumindest solle man die Parkplätze anders erschließen, nicht über die Schulgasse. Eine andere Zufahrt können sich auch weitere Gemeinderäte vorstellen, hier allerdings, so Architekt Köber, entstehen dann zusätzliche Kosten, die man bislang vermeiden wollte. Noch nicht abschließend geregelt hat der Gemeinderat die Stellung und die Nutzung der Gebäude, die in der Ledergasse gebaut werden sollen. Die bisherige Planung geht von reinen Wohngebäuden aus, Bürgenmeister Reutter will sich jedoch den Gedanken einer möglichen gewerblichen Nutzung nicht verschließen. Dies soll jedoch zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden.

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Wasserversorgung: Preis bleibt gleich
Die Tagesordnung der Verbandsversammlung des Zweckverbands Uhinger Wasserversorgungsgruppe nahm der Gemeinderat zur Kenntnis. Der Bezugspreis für das Wasser der Uhinger Gruppe bleibt gleich, erläuterte BM Reutter. Erfreulich ist das Ergebnis der Aufsichtsprüfung für die Jahre 1994 - 1996: Es gab keine einzige Beanstandung. In den Jahren 1994 und 1995 wurde die Kassenführung der Verbandsgeschäfte noch auf dem Rathaus Hattenhofen abgewickelt.

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Telefonzelle Bruckwiesen wird abgebaut
Wegen geringer Umsätze wird die Telekom ihre öffentliche Sprechstelle in Bruckwiesen abbauen. Der monatliche Umsatz beträgt nur noch 140,- DM. Die rückläufige Nutzung öffentlicher Telefonzellen ist eine Folge der zunehmenden Dichte privater, auch mobiler Anschlüsse. Nach dem Abbau des Telefonhäuschens gibt es im Ort nur noch die Telefonzellen vor der Sillerhalle sowie gegenüber des Sauerbrunnens.

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Neue Postagentur ab März
Die neue Postagentur wird am 1. März in der Quelle-Agentur, Hauptstraße 56, eingerichtet. Dies teilt die Deutsche Post mit. Sie sieht dort eine noch zentrale Lage und eine gute Anfahrbarkeit mit Kraftfahrzeugen. Außerdem, so die Post, habe die Inhaberin der Agentur gute Voraussetzungen für ein hochwertiges und kundenfreundliches Angebot.

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Neues Rührwerk für Regenüberlaufbecken
Das Regenüberlaufbecken vor der früheren Kläranlage erhält ein neues Rührwerk für 7.500,- DM. Das alte ist irreparabel defekt.

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Hattenhofer Rathaus soll modernisiert werden
Verwaltung unterzog sich einer Denkwerkstatt.
Vision eines Bürgerbüros

"Hemmschuh für eine effiziente Verwaltung sind weniger die Beamten als die Regelflut, die ihre Tätigkeit bis ins Detail vorschreibt. Dennoch funktioniert die Republik. Die Kunstfertigkeit deutscher Beamten, trotz unzähliger unsinniger Regeln, das System in vernünftigen Bahnen zu halten, gilt als unübertroffen." So urteilt Unternehmensberater Kienbaum über die deutsche Verwaltung. Eine zukunftsorientierte Verwaltung muß sich dem Trend im kommunalen Management stellen. Das Leitbild geht zum Dienstleistungsbetrieb: Wirtschaftlicher, kundenorientierter und mitarbeiter- bzw. teambezogener. Auch ein eingespieltes Rathausteam hat noch Verbesserungspotential. Deswegen hat die Rathausverwaltung am letzten November-Wochenende 1998 eine "Denkwerkstatt" durchgeführt. Ziel der Denkwerkstatt war und ist eine Verbesserung der Rathausarbeit nach innen und nach außen. Ganzheitliche und nachhaltige Modernisierung der Verwaltung ist wede r ein technisches Problem noch ein Organisationsproblem. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die einzige Ressource, um etwas zu ändern oder zu verbessern. Die Moderation hatte der Leiter des Transferzentrums Öffentliche Verwaltung der Steinbeisstiftung für Wirtschaftsförderung Bertram Räder.
In einer anstrengenden und dabei sehr kreativen Gruppenarbeit hat die Verwaltung in einem 24-Stunden-Workshop (ein paar Stunden geschlafen wurde auch) zunächst ihre Stärken und dann ihre Schwächen und Verbesserungspotentiale analysiert. Nach eigener Einschätzung der Rathausmitarbeiterinnen ist die Verwaltung in Hattenhofen freundlich, entgegenkommend und hilfsbereit in allen Lebenslagen (bürgernah), rasch in der Antragsbearbeitung, belastbar, bereit zu unbezahlten Überstunden bzw. Arbeiten außerhalb der Dienstzeit und aktiv bei Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung. Bei der Schwachstellenanalyse schnitten die Themen EDV, Räumlichkeiten und Informationsfluß schlecht ab. Bei der EDV fehlt es an Schulung und Ausbildung, zudem ist die Hardware noch nicht "2000-fähig". Ein EDV-Team kümmert sich nun darum, daß die Potentiale der EDV stärker genutzt werden. Personal und Hard ware sollen im Laufe des Jahres 2000-fähig gemacht werden. Ein Bildungsteam kümmert sich um den Bildungsbedarf des Personals. Nicht nur fachbezogen, sondern auch in Querschnittsbereichen, die über den Schreibtisch hinausgehen, wie Arbeitstechnik, Umgang mit dem Bürger oder betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse sollen sich die Rathausmitarbeiterinnen aus- und weiterbilden bzw. vorhandenes Wissen trainieren. Ein Kommunikationsteam kümmert sich um die Verbesserung des internen Informationsflusses. Hier wurde von den Mitarbeiterinnen zurecht bemängelt, daß die Öffentlichkeitsarbeit nach außen besser ist als die interne Verteilung von Informationen.
Mittelfristig wird die Verwaltung darangehen, die Organisation als solche zu ändern. Alle Geschäftsprozesse sollen auf schlanke Art reduziert werden. Ein Denkmodell ist, die betriebswirtschaftliche Kostenrechnung in die Verwaltung einzuführen. Dazu benötigt die Verwaltung externe Beraterhilfe. Mit diesem Thema wird sich der Gemeinderat später befassen.
Chefsache ist die Renovierung/ Sanierung/ Modernisierung des Rathauses. Dieses wird als nicht mehr zeitgemäß angesichts der Ansprüche an einen Dienstleistungsbetrieb gesehen. Die Schwachstellen beginnen bei Möblierung und Platzangebot, gehen über Bodenbelag und Heizung zu Beleuchtung und Anstrich. Ziel der Verwaltung ist mittelfristig neben einer zeitgemäßen Ausstattung die Einführung eines Bürgerbüros. Dieses nimmt Einfluß auf die Räumlichkeiten, die EDV und die Organisationsform. In einem Bürgerbüro können die Kunden an einem Serviceschalter 60-80% aller Geschäfte, derentwegen sie aufs Rathaus gehen, erledigen bis hin zu Kassengeschäften. Verstärkter Einsatz der EDV sowie der gleichzeitige Einsatz mehrerer generalistisch geschulter Mitarbeiterinnen gewährleisten rasche und flüssige Bedienung. Das Rathaus ist durchgehend von morgens bis abends geöffnet. Intensive Schulung und verstärkte Teamarbeit sorgen dafür, daß die Tagesa rbeit ineinandergreift. Ein Rathausumbau mit der Vision eines Bürgerbüros ist jedoch vor dem Jahr 2003 nicht realistisch.
Der Moderator der Denkwerkstatt, Bertram Räder, war 30 Jahre als selbständiger Unternehmensberater für große Firmen tätig. Nun leitet er das Steinbeis-Transferzentrum Öffentliche Verwaltung. Er will vor allem die kleinen Kommunen mit den neuen Steuerungsmodellen fit machen. Vor dem Gemeinderat erläuterte er seine Vorstellungen einer modernen Verwaltung und den Weg dorthin. Am Ende stehen bessere Arbeitsplätze, eine bessere Arbeitsleistung und eine meßbare Wertschöpfung der Verwaltungsarbeit. Der Organisationsprofi lobte BM Jochen Reutter und sein Team für deren Mut, eine Denkwerkstatt zu veranstalten und die Ergebnisse umzusetzen. Hattenhofen ist eine der ersten Gemeinden im Ländle, in denen sich die Verwaltung selbst auf den Prüfstand stellt und sich sozusagen einem Organisations-TÜV unterzieht. Bei der Modernisierung, sprich Verbesserung der Verwaltung, muß die Lösung aus den eigenen Reih en kommen, erläuterte Räder. Der "Hattenhofer Weg" könne nicht von außen verordnet werden. Die Vorteile einer Modernisierung der öffentlichen Verwaltung zu einem zeitgemäßen Dienstleistungsbetrieb sieht der Fachmann im politischen Nutzen (Verbesserung für die Bürger), im betriebswirtschaftlichen Nutzen (schlankere und effektivere Verwaltung), im funktionellen Nutzen (Serviceleistungen eines Bürgerbüros) und im menschlich sozialen Nutzen (Personalentwicklung). Warum, so Bertram Räder augenzwinkernd, sollten die Gemeinden künftig nicht statt des 1. Preises im Blumenschmuckwettbewerb den Innovationspreis anstreben? Besonders die Ausführungen der Verwaltung und des Unternehmensberaters zu einem Bürgerbüro weckten das Interesse der Gemeinderäte. Bürgermeister Reutter will an dem Thema dranbleiben.

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