Bericht von der Gemeinderatssitzung
am 1.12.99

Ehrenamt ist harte Arbeit Die Stellvertreter des Bürgermeisters
Statistik Persönliche Erklärungen von altem und neuem Stellvertreter
Gemeinderäte verabschiedet Gremien und Ausschüsse besetzt
Neuer Gemeinderat im Amt Dank an Wolfgang Liebrich

In einer gemeinsamen öffentlichen Feierstunde verabschiedete Bürgermeister Jochen Reutter die ausscheidenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäte und setzte den neuen Gemeinderat ins Amt. Einvernehmlich wurden die Gremien und Ausschüsse besetzt. Geheime Wahl und kontroverses Abstimmungsverhalten gab es bei der Wahl der Bürgermeisterstellvertreter.
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Ehrenamt ist harte Arbeit
Schon wieder seien fünf Jahre ins Land gegangen, so eingangs Bürgermeister Reutter in seiner Ansprache, in der sich die Gemeinde in ihrer Qualität weiter entwickelt habe. Den Wettbewerb mit den Nachbarkommunen müsse man nicht scheuen. Der bisherige Gemeinderat habe sich stets kontrovers und konstruktiv fürs Gemeinwohl auseinandergesetzt. Beispielhaft für die vielen Projekte der zurückliegenden Wahlperiode nannte Reutter: Niedrigenergie-Baugebiet Sommerweide II, Sanierung der Abwasserbeseitigung, neue Kinderspielplätze und Erweiterung des Kindergartens, Solarförderung, Dach- und Heizungssanierung der Sillerhalle, Sanierung der Ledergasse, offene Jugendarbeit/Jugendhaus, Umsetzung der Energiesparmaßnahmen, Wasserleitung Zell-Hattenhofen, neues Löschfahrzeug der Feuerwehr und Entwicklung der Ortsmitte. Ohne Grabenkämpfe und ohne persönliche Anfeindungen habe fairer Umgang die Arbeiten des bisherigen Gemeinderats geprägt. Dieser habe demokratische Spielregeln gepflegt und in diesem persönlichen Umgangston liege wohl auch das Geheimnis des Erfolgs für die Gemeinde. Gemeinsam habe man an einem Strang gezogen und könne auch mit etwas Stolz zurückblicken. Immer wieder, so der Sprecher, habe sich der Gemeinderat Neues zugetraut und sei unkonventionelle Wege gegangen. Man habe eine in die Zukunft gerichtete Gemeindepolitik betrieben. Auch der persönliche Kontakt sei nicht zu kurz gekommen: Man pflege das Miteinander in den Nachsitzungen und in den jährlichen Informationsfahrten gewinne man Eindrücke über den Horizont hinaus. Ausdrücklich bedankte sich Bürgermeister Reutter bei den Ehepartnerinnen und Ehepartnern für deren Unterstützung. Als Gemeinderat brauche man Standvermögen, da sei der Halt in der Familie äußerst wichtig. Außerdem, belegte der Schultes mit Zahlen, sei der Zeitaufwand für das Ehrenamt nicht "von Pappe".
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Statistik
88 Gemeinderatssitzungen mit ungefähr 800 Tagesordnungspunkten fanden öffentlich statt. Bei einer durchschnittlichen Sitzungsdauer von 3,5 Stunden hat der Gemeinderat etwa 39 Arbeitstage oder fast 8 Arbeitswochen getagt. Dazu kommen die öffentlichen Verpflichtungen wie Vereinsveranstaltungen, Informationsfahrten und ähnliches.

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Gemeinderäte verabschiedet
Sechs Gemeinderäte scheiden aus dem Gremium aus. Am längsten dabei, nämlich 15 Jahre, war Artur Weisshaar, der zudem auch in den Ausschüssen der Kommunalen Wohnbaugesellschaft, des Kläranlagenausschusses sowie des Zweckver-bands Uhinger Wasserversorgungsgruppe mitarbeitete. An zahlreichen Beispielen und Projekten der letzten 15 Jahre zeigte Bürgermeister Reutter die Mitarbeit Weisshaars auf. Er sei immer eine wertvolle Stütze und Bereicherung im Gemeinderat gewesen. Besonders gefragt waren sein Rat als Handwerker und sein Kostenbewußtsein. Mit einem wunderschönen Krug von Barbara Lutz und einem Blumenstrauß bedankte sich der Schultes bei Artur Weisshaar und Ehefrau Erika. Der ausscheidende Gemeinderat ergriff das Wort. Er sei ein bißchen stolz, wieviel man in den letzten 15 Jahren bewegt und wie der Flecken gewachsen sei. Als Handwerker habe er allerdings so manche Sitzung zwei -oder dreimal erleben müssen, wenn er am nächstenTag von seinen Kunden angesprochen wurde und Beschlüsse verteidigen mußte. Die Arbeit als Gemeinderat sei nicht immer einfach, faßte Weisshaar seine Erfahrungen zusammen. Mit Wehmut werde er an die Informationsfahrten zurückdenken. Die Arbeit im Gemeinderat habe ihn menschlich geprägt und man erhalte wesentlich andere Einblicke als der Normalbürger. Allerdings zeige man nach einer gewissen Zeit Verschleißerscheinungen.
Fünf Jahre im Gemeinderat war Holger Reyher, der ebenfalls freiwillig abtritt. Seine Qualitäten bescheinigte ihm Bürgermeister Reutter in Natur- und Vogelschutz. Er sei ein ökologisches Gewissen im Gemeinderat gewesen. Konsequent habe er sich für Natur- und Vogelschutz eingesetzt und sei dabei oft gegen die Mehrheitsmeinung gestanden. Für diese klare Linie zollte ihm Reutter Respekt. Er verwies darauf, dass Reyher seit Jahren federführend in der Vermarktung des örtlichen Apfelsaftes ist. Wie alle ausscheidenden Gemeinderäte erhielt auch Holger Reyher ein Geschenk.

Drei Gemeinderätinnen und ein Gemeinderat wurden nicht mehr wiedergewählt. Dies sei eine schmerzliche Erfahrung für die Betroffenen, so Bürgermeister Reutter, man müsse aber die Entscheidung des Wählers respektieren. Allerdings koste es Kraft, das zu verarbeiten. Vielleicht, so die Anregung des Vorsitzenden, könnten die vier Ausscheidenden in fünf Jahren wieder antreten. Fünf Jahre dabei waren Christine Scheurer und Josefine Wöhrle. Frau Scheurer war Vorsitzende der Kommunalen Wohnbau GmbH. In ihrer ruhigen und besonnenen Art habe sie die Arbeit des Gemeinderats in schwierigen Fragen nach außen mitgetragen, was vielleicht nicht immer erkennbar gewesen sei, so der Bürgermeister. Das gleiche gelte für Josefine Wöhrle, die stets ein offenes Ohr für Vereine gehabt habe. Auch ihre zurückhaltende Art habe in der Öffentlichkeit ihr Engagement nicht immer erkennen lassen. Als Nachrücker waren Doris Gustke und Bodo Korn angetreten. Doris Gustke, die zwei Jahre dabei war, mußte zum zweitenmal ein negatives Wählervotum hinnehmen. Reutter attestierte ihr, dass sie in einer schwierigen finanziellen Zeit Verantwortung übernommen und wichtige Entscheidungen mitgetragen habe. Sie engagiere sich in vielen Ebenen für das Gemeinwohl und habe ein gutes Ergebnis bei der Kreistagswahl erzielt. Bodo Korn, der an der Feier aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen konnte, war eineinhalb Jahre tätig. Trotz seiner beruflichen Anforderungen habe er sich gut und schnell eingearbeitet, so Jochen Reutter und in der kurzen Zeit viele Facetten des gemeinderätlichen Lebens erlebt.

Den scheidenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäten wünschte Jochen Reutter für die Zukunft alles Gute, vor allem Gesundheit und gute Erinnerungen an ihre Gemeinderatstätigkeit. In den Dank schloß Reutter auch die jeweiligen Ehepartner für deren Verständnis ein.
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Neuer Gemeinderat im Amt
"Ich gelobe Treue der Verfassung, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung meiner Pflichten. Insbesondere gelobe ich, die Rechte der Gemeinde gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das ihrer Einwohner nach Kräften zu fördern ".
Dieses Gelöbnis legten die neuen Gemeinderäte ab. Der neue Gemeinderat besteht aus: Günther Berroth, Gisela Bleher, Rainer Brunnenkant, Bernd Fauser, Ernst Frech, Georg Gallus jun., Günter Gaul, Jürgen Höfer, Petra Jäckel, Bernd Liebrich, Wolfgang Liebrich, Charlotte Rauscher, Berthold Reisacher und Jürgen Schmidmaier. Gelassenheit bei der Arbeit wünschte Bürgermeister Jochen Reutter dem neuen Gremium, um stets das beste für die Gemeinde zu erreichen.
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Die Stellvertreter des Bürgermeisters
In geheimer Wahl wurden die Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt. Erster Stellvertreter ist Günther Berroth. Er erhielt acht Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Zweiter Stellvertreter ist Rainer Brunnenkant. Er erhielt elf Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Der Bewerber für den dritten Stellvertreter erreichte im ersten Wahlgang nicht die erforderliche absolute Mehrheit von acht Stimmen. Jürgen Höfer erhielt sieben Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen sowie fünf Enthaltungen. Die Verwaltung ließ daraufhin einen zweiten Wahlgang durchführen mit dem Ergebnis von sieben Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Dieser zweite Wahlgang ist jedoch nach der Gemeindeordnung nicht gültig. Da nur ein Bewerber antrat, muß der zweite Wahlgang in der nächsten Gemeinderatssitzung durchgeführt werden. Das Amt des dritten Stellvertretenden Bürgermeisters ist solange nicht besetzt.
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Persönliche Erklärungen von altem und neuem Stellvertreter
Vor der Wahl des ersten Stellvertreters ergriff der bisherige Amtsinhaber Wolfgang Liebrich das Wort. Bislang habe der Gemeinderat den Anspruch gehabt, das Ehrenamt nur unter sachlichen Gesichtspunkten auszuüben. Man sei sich einig gewesen, dass man ein Ziel nur auf dem geraden Weg erreiche. Bisher sei er, Wolfgang Liebrich, der Ansicht gewesen, die Mehrheit im Gemeinderat stehe hinter der Arbeit und dem Engagement des bisherigen Vizebürgermeisters. Nachdem mit Günther Berroth ein Gegenbewerber aufgestellt worden sei, sei dies wohl doch nicht so. Die höhere Stimmenzahl bei der Gemeinderatswahl habe man der Freien Wählervereinigung dadurch honoriert, dass sie zwei von drei Stellvertretern des Bürgermeisters stelle und in zwei Gremien einen Vertreter mehr entsende. Deswegen sei er, so der Sprecher, überrascht, dass nun der bisherige Vizebürgermeister abgewählt werde. Durch die bisherige Sacharbeit habe der Gemeinderat immer einen Vorsprung an Informationen vor dem Bürger gehabt und auch einen Vorteil gegenüber Parteien. Insofern könnten nicht nur die Wählerstimmen zählen, der Gemeinderat entscheide letztlich über das Amt des Stellvertreters. Durch die neue Situation müsse er, Wolfgang Liebrich, die bisherigen positiven Äußerungen zu seiner Arbeit neu bewerten. Nach 28 Jahren Ehrenamt habe ihn die Abwahl tief getroffen. Die breite Unterstützung für ihn im Gemeinderat fehle. Deswegen stelle die Bürgergemeinschaft keinen eigenen Kandidaten auf, ihre Mitglieder stimmten rein nach ihrem Gewissen ab.
Überrascht über den Vortrag seines Kollegen zeigte sich der anschließend zum ersten Stellvertreter gewählte Günther Berroth. Er sei seit 15 Jahren Gemeinderat und verfüge über genügend Erfahrung für das Amt als Vizebürgermeister. Bislang sei es ungeschriebenes Gesetz gewesen, dass immer die stärkste Wählervereinigung den Stellvertreter stelle. Dies habe man im umgekehrten Fall seitens der Freien Wähler immer respektiert. Nun habe der Wähler anders entschieden und dessen Votum müsse man umsetzen. Niemand zweifle an der guten Arbeit von Wolfgang Liebrich. Es sei aber eine Frage des demokratischen Verständnisses, dass der Wählerwille respektiert werde. Seine Kandidatur für den Stellvertreterposten sei eine Außenwirkung des Wahlergebnisses. Nach seiner anschließenden Wahl bedankte sich Berroth für das Vertrauen und hoffte, das Vertrauen auch derer zu gewinnen, die ihn nicht gewählt hatten. Im Interesse der Gemeinde hoffe er, dass unabhängig von der im Gemeinderat vertretenen Vielfalt an Erfahrungen, Eigenschaften und Charakteren dieser nach wie vor ein Team bilden werde. Es zählte nicht Personen oder links oder rechts, sondern nur die Sache, dann leiste man gute Arbeit. Er habe sich seinen Start anders vorgestellt, meldete sich anschließend ein neu ge-wählter Gemeinderat. Man müsse den Wählerwillen akzeptieren. Die jetzt entstandene Spannung habe es nie zuvor im Hattenhofer Gemeinderat gegeben und solle auch künftig nicht mehr auftreten.

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Gremien und Ausschüsse besetzt
Von den beiden Wählervereinigungen aufeinander abgestimmt wurden die Gremien und Ausschüsse einstimmig besetzt.

Verbandsversammlung Raum Bad Boll:
Georg Gallus und Günther Berroth
Stellvertreter: Bernd Fauser, Petra Jäckel, Jürgen Höfer, Günter Gaul

Aufsichtsrat der Kommunalen Wohnbaugesellschaft:
Rainer Brunnenkant, Bernd Fauser, Ernst Frech, Gisela Bleher, Jürgen Höfer, Günter Gaul, Bernd Liebrich

Schulbeirat:
Bernd Liebrich und Berthold Reisacher
Stellvertreter: Gisela Bleher und Petra Jäckel

Verbandsversammlung Uhinger Wasserversorgung:
Ernst Frech,
Stellvertreter Jürgen Schmidmaier

Gemeinsamer Ausschuß Sammelkläranlage Uhingen:
Jürgen Schmidmaier und Ernst Frech
Stellvertreter: Berthold Reisacher

Gebäudebesichtigungs-Kommission:
Bernd Fauser, Ernst Frech, Bernd Liebrich und Gisela Bleher

Stiftungsrat der Katharine-Weeger-Siller-Stiftung:
Petra Jäckel und Charlotte Rauscher
Stellvertreter: Georg Gallus und Günter Gaul

Protokollunterzeichnung:
Charlotte Rauscher und Petra Jäckel
Stellvertreter: Rainer Brunnenkant und Gisela Bleher

Kindergartenausschuß:
Jürgen Schmidmaier und Rainer Brunnenkant
Stellvertreter: Bernd Liebrich und Petra Jäckel

Umlegungsausschuß Bruckwiesenstraße/Steigle:
Bernd Fauser, Ernst Frech, Wolfgang Liebrich, Jürgen Schmidmaier, Charlotte Rauscher, Günter Gaul
Stellvertreter: Jürgen Höfer, Gisela Bleher, Bernd Liebrich, Rainer Brunnenkant, Georg Gallus, Berthold Reisacher
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Dank an Wolfgang Liebrich
Die geheime Wahl der Bürgermeister-Stellvertreter sei in Hattenhofen ungewohnt, aber in anderen demokratischen Gremien durchaus nicht ungewöhnlich und in der Gemeindeordnung vorgesehen, so Bürgermeister Jochen Reutter. Er zeigte sich überzeugt, dass das Gremium zur Sacharbeit zurückkehren werde. Seinem bisherigen Stellvertreter Wolfgang Liebrich dankte er herzlich für seinen zehnährigen Einsatz als Vizebürgermeister. Zusammen mit dem Bürgermeister trage der erste Stellvertreter die Hauptlast der Gemeindearbeit. Trotz seiner starken beruflichen Inanspruchnahme habe Wolfgang Liebrich immer viel Zeit für die Gemeinde gefunden. Ihm selbst, so der Sprecher, habe er seinen Einstieg nach der Bürgermeisterwahl mit Rat und Tat wesentlich erleichtert, gemeinsam habe man einiges getragen und geschultert. Wolfgang Liebrich sei immer wieder für seine Überzeugungen zum Wohl der Gemeinde eingetreten. Nicht zuletzt an kommunalpolitisch schwierigen und auch umstrittenen Entscheidungen habe er erheblich mitgearbeitet und sei stets aufrecht gegangen. Dies sei nicht immer populär und oportun gewesen, Wolfgang Liebrich sei aber nicht jemand, der jedem nach dem Mund rede. In der Demokratie brauche man solche manchmal auch unbequeme Personen. Keinen Zweifel habe er, Jochen Reutter, daran, dass Gemeinderat Liebrich auch künftig mit Elan für die Gemeinde arbeiten werde.

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