Bericht von der Gemeinderatssitzung
am 4. April 2001

Kurz berichtet
Dachsanierung: Neue Planung gefordert
Farrenstall behält Fachwerkfassade
Butzbach wird erneut saniert
Ja zu Gemeindehaus

Kurz berichtet
Rasenmäher: Auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderats erhält der Bauhof einen neuen Aufsitzmäher für die Pflege öffentlicher Grünflächen zum Bruttopreis von 29.000,--DM. Der zehn Jahre alte Vorgänger ist wegen bald täglichen Einsatzes defekt. Das vom Bauhof gewünschte Modell sah auch der Gemeinderat im Preis-/Leistungsverhältnis deutlich vorne.
Werkstatt: Das baurechtliche Einvernehmen erhielt die Nutzungsänderung des früheren Wirtschaftsgebäudes, Ledergasse 24, zu einer Werkstatt. Ein Ein-Mann-Betrieb will dort künftig Werkstücke mechanisch bearbeiten.
Kompostproben: Die Analysenwerte von Kompostproben der Kompostplätze im Landkreis erhielt der Gemeinderat zur Kenntnis. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die von den Gemeinden produzierten Komposte von guter Qualität, hohem Nährstoff und geringem Schadstoffgehalt sind. Sie sind auch für den Hausgarten zur Bodenverbesserung geeignet.
Hütten: Außerhalb der Landwirtschaft dürfen im Außenbereich nur Geschirrhütten bis zu 20 m³ Volumen erstellt werden. Größere Hütten oder solche, die als Gartenhaus genutzt werden, lässt das Baurechtsamt in einer eng am Gesetz orientierten Linie abbrechen. Darüber informierte die Verwaltung.
Sportplatzpflege: Die Pflege des Sportplatzes durch den Bauhof beträgt etwa nur ein Viertel der Kosten, die bei einer Fremdvergabe anfielen. Dies erläuterte Bürgermeister Jochen Reutter auf Anfrage.
Schulentwicklung: Nach der jüngsten Vorstellung des Gutachtens zur möglichen Schulentwicklung im Raum Voralb werden die Gemeinden in nächster Zeit das Gespräch mit dem Oberschulamt, der Stadt Göppingen und dem Landrat suchen. Auch die Gemeinde Gruibingen soll noch mit ins Boot. Anschließend werden die Gemeinderäte über einen Grundsatzbeschluss beraten. Das Gutachten sieht neben der Verbesserung der Hauptschullandschaft die Einrichtung eines Gymnasiums sowie einer Realschule in vorhandenen Gebäuden vor.
Bauruine: Der Eigentümer des nur halb abgebrochenen Wohnhauses Hauptstraße 74 erhält demnächst eine Abbruchverfügung, die die Gemeinde als Ortspolizeibehörde durchsetzen will. Dies erläuterte Bürgermeister Reutter auf Anfrage. Ein Gemeinderat sieht auf diesem Grundstück eine Gefahr für spielende Jugendliche. Verantwortlich für die Verkehrssicherheit sei allerdings der Eigentümer, so der Schultes.
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Dachsanierung: Neue Planung gefordert
- GR will kein Flachdach-

Wie das undichte Kindergartendach saniert wird, ist weiterhin offen. Alle denkbaren Varianten sollen nochmals geprüft werden. Die vom Planer und der Verwaltung vorgeschlagene Flachdachsanierung soll das allerletzte Mittel bleiben. Dies hat der Gemeinderat nach ausführlicher Diskussion einstimmig beschlossen.
Im Dezember hatten die Räte beschlossen, das marode Kindergartendach mit einer Schrägaufrippung zu sanieren. Anstelle des bisherigen Flachdaches hätte das Gebäude dann ein Schrägdach erhalten. Diese Variante hält Planer Bernd Liebrich nach wie vor für die sicherste, bei der Detailuntersuchung sei man jedoch auf einige versteckte Probleme gestoßen. Aufgrund der besonderen Unterkonstruktion und der zerklüfteten Dachlandschaft auf dem Gebäude wäre für die zunächst gewählte Schrägaufrippung ein größerer technischer Aufwand erforderlich als gedacht. Mit der Hinterlüftung gebe es Probleme, die nur durch Abtrag des jetzigen Dachaufbaus gelöst werden könnten. Neben zusätzlichen Kosten müsste man dann aber die betroffenen darunterliegenden Räume in der Bauphase sehr aufwändig schützen. Eine gleichmäßige Gefälleausbildung würde eine Erhöhung der Attika bis zu 80 cm bedeuten. Dies wäre technisch aufwändig und würde die Architektur erheblich beeinträchtigen. Bei einer solchen Dachranderhöhung müßte man weiterhin mit innenliegenden Wasserrinnen arbeiten, was als einer der Hauptgefahrenpunkte vermieden werden sollte, so der Fachmann. Liebrich hatte in Abstimmung mit der Verwaltung daher vorgeschlagen, das vorhandene Flachdach mit den neuesten technischen Systemaufbauten zu sanieren und mit einer extensiven Dachbegrünung zu versehen. Die Mehrkosten von 40.000,--DM bei einem Gefälledach seien bei den nun aufgetretenen Problemen nicht mehr zu vertreten. Die Vorteile in Sachen Sicherheit gegenüber einer Nullgrad-Konstruktion würden zunehmend schwinden. Mit diesem Vorschlag zur Beibehaltung des Nullgrad-Daches erhielten Planer und Verwaltung heftigen Gegenwind im Gremium. Einer Flachdachlösung würden sie niemals zustimmen, signalisierten mehrere Gemeinderäte, aufgrund der schlechten Erfahrungen mit bestehenden Flachdächern traue man dieser Variante in technischer Hinsicht nicht mehr. Unter der Voraussetzung, dass man die Architektur des Kindergartens nicht einschneidend ändern wolle, gebe es bei den genannten Problemen keine andere Möglichkeit als die der Flachdachsanierung, hielten andere Räte dagegen, auch wenn man diese Lösung einmütig gerne vermeiden wolle. Dass das von mehreren Räten vorgeschlagene Walmdach nicht nur das Gebäude stark verändern, sondern auch einen neuen Dachstuhl erfordern würde, legte Planer Bernd Liebrich dar. Die Mehrheitsmeinung im Gremium ging dahin, einen Beschluss zu vertagen und sämtliche Möglichkeiten neu zu prüfen. Weiterhin wurde vorgeschlagen, verschiedene Modelle anzufertigen und weitere Experten einzuschalten. In der Öffentlichkeit werde die Sanierung von gemeindlichen Flachdachbauten kritisch begleitet, so ein Sprecher. Wie bei der Diskussion um die beste Sanierungsvariante des Sillerhallendaches werde man auch hier die richtige Lösung finden, gab sich BM Reutter zuversichtlich.
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Farrenstall behält Fachwerkfassade
Die Westansicht des Bürgerhauses Farrenstall wird als Fachwerkfassade erhalten und saniert. Die Arbeiten werden beschränkt ausgeschrieben. Dies hat der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen beschlossen. Gutachter Klaus Hoch hatte fünf verschiedene Sanierungsvarianten in technischer und finanzieller Hinsicht geprüft. Die "Zimmermannslösung" (Beibehaltung des Fachwerks) würde ca. 128.000,--DM kosten, eine moderne Kupfer- oder Metallschalung würde 142.000,--DM kosten, eine rustikale Bretterverschalung ca. 136.000,--DM. Die Verkleidung mit Putz oder Strukturputz käme auf ca. 143.000,--DM. Den einzigen Nachteil bei der Fachwerklösung sieht der Gutachter darin, dass die Wartungsarbeiten intensiver durchgeführt werden müssten als bei den anderen Varianten. Diese seien dafür nicht ortsbildprägend und die seitlichen Anschlüsse zur bisherigen Fassade nicht problemlos. Anhand von Fotos dokumentierte Dipl. Ing. Hoch, wie die verschiedenen Varianten aussehen könnten. Außerdem zeigte er zahlreiche Beispiele sanierter Fachwerksfassaden aus den 80er und 90er Jahren, die heute noch bestehen. Schon aus optischen Gründen sei man froh, so ein Gemeinderat, dass sich die Fachwerksanierung als die günstigste Variante erweise. Die wenigen Fachwerkhäuser im Ort müsse man erhalten. Bei optimaler Ausführung der Sanierung werde man die ersten fünf bis acht Jahre keinen Anstrich benötigen, so Gutachter Hoch auf Anfrage, dann müsse man das Holz alle drei Jahre streichen. Die dreijährlich anfallenden Wartungskosten bezifferte der Fachmann auf 3000,-- bis 4.000,--DM. Vor allem solle man die Kompetenz der örtlichen Handwerker nutzen und das Gebäude regelmäßig auf Schäden überprüfen. Er selbst werde nach erfolgter Sanierung ab und zu nach dem Gebäude schauen. Um den Hausgiebel vor Schlagregen zu schützen, wollte ein Gemeinderat nur den mittleren Bereich des Fachwerks erhalten und den oberen Bereich abdecken. Damit stieß er aber auf Widerstand bei seinen Kollegen, die die Ansicht des Farrenstalls erhalten wollen. Die Gemeinde müsse ein Signal auch für die privaten Hauseigentümer setzen, dass man Fachwerk möglichst erhalten und nicht zudecken solle, meinten mehrere Sprecher. Die Forderung eines Gemeinderats nach einem zweiten Gutachter wurde im Gremium zurückgewiesen. Die Räte sprachen Klaus Hoch nachdrücklich ihr Vertrauen aus. Bei guter Pflege halte Fachwerk genauso lange wie Putz -oder Stahlfassaden, betonte ein Gemeinderat. Dem Zahn der Zeit könne letztlich kein Material widerstehen. Die Fassadensanierung soll noch dieses Jahr über die Bühne gehen.
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Butzbach wird erneut saniert -
Verbesserter Hochwasserschutz und neue Gestaltung-
Die Gemeinde beantragt die wasserrechtliche Genehmigung für die Offenlegung des Butzbaches im Bereich der Verdolung am Sauerbrunnen. Dies hat der Gemeinderat nach ausführlicher Diskussion einstimmig beschlossen.

In gestalterischer Hinsicht soll der Planer noch nachbessern. Außerdem prüft die Gemeinde vor Ort die Möglichkeit Retentionsflächen anzulegen. Eine bald 30 Jahre dauernde "Odyssee " wie es Bürgermeister Jochen Reutter nannte, soll nun im sicheren Hafen enden. Nach massiven Hochwasserschäden 1987, einer Sanierung Anfang der 90er Jahre und erneuten Schäden 1994 muss der Hochwasserschutz am Butzbach erneut und nach Hoffnung der Gemeinderäte endgültig saniert werden.
Gegen den damaligen Planer führen Landkreis und Gemeinde einen Schadensersatzprozess. 1978 war der Butzbach verdolt worden, obwohl die Anlieger von Anfang an auf die Risiken dieser Engstelle hingewiesen hatten. Nach dem letzten Hochwasser war das Ing.Büro Straub aus Donzdorf von Landkreis und Gemeinde mit der Untersuchung von Sanierungsvarianten beauftragt worden. Eine mögliche Variante wäre die Erhöhung des Bachquerschnitts oberhalb der Verdolung durch Errichtung einer Hochschutzmauer mit geschätzten Kosten von 1 Mio.DM. Ein Bypass mit Streichwehr in der Verdolung, also eine parallele Leitung, würde knapp 2,8 Mio.DM kosten.
Die von Verwaltung und Planer favorisierte Lösung, die Verdolung zu entfernen und den Butzbach offen zu legen, kostet gut 2,1 Mio.DM. Nur diese Variante wird vom Land wegen seiner ökologischen Bedeutung gefördert, außerdem haben sich die beteiligten Behörden und jüngst die Anlieger einhellig für diese Variante ausgesprochen, erläuterte Bürgermeister Reutter. Auf eine Strecke von fast 400 m müssen die unterspülten Randsteine entweder ausgetauscht oder neu gesetzt werden. Die Verdolung zwischen Sauerbrunnen und Reustadtbrücke, als auslösende Engstelle der Überschwemmungen, wird entfernt, um eine wesentliche Leistungserhöhung des Wasserabflusses zu erreichen. Beim Oberlauf wird die unterste Reihe der vorhandenen Flussbausteine tiefer, massiver und von außen nicht sichtbar in Beton gesetzt. Im Unterlauf werden die rechtsseitigen Gabionen ausgebaut und ebenfalls durch einen Blocksteinsatz mit Betonstützwand ersetzt. Eine unterspülte und gerissene Mauer wird analog durch Blocksteine ersetzt. Die Sanierung bringt auch weitreichende gestalterische Änderungen im Bereich der Reustadtzufahrt und des Sauerbrunnens mit sich. Die bisherige Einmündung entfällt, dafür wird der Einbau einer Brücke über den Butzbach an anderer Stelle notwendig. Das Sauerbrunnenhäuschen muss versetzt werden. Auf der rechten Seite des Butzbaches ist ein neuer Wohnweg vorgesehen, auf der linken Seite wird ein Gehweg angelegt, der durch eine Holzbrücke mit dem Wohnweg verbunden wird. Auf der Grundlage eines älteren Gutachtens der Universität Karlsruhe hatte Dipl.Ing. Thomas Straub untersucht, ob zusätzlicher Hochwasserschutz durch Retentionsflächen erreicht werden kann. Bei einem Bau von Retentionsbecken auf Hattenhofer Markung könnte die Spitzenbelastung zwar vermindert werden, dennoch hätte man bei einem sogenannten 100jährigen Hochwasser im Bereich des Sauerbrunnens immer noch eine Fließgeschwindigkeit von 21 m³ je Sekunde. Die vorhandene Dole lässt aber maximal 16 m³ je Sekunde durch. Auch bei dem Bau von Retentionsbecken mit einer Kubatur bis zu 200.000 m³ müßte man also die Dole entfernen. Der Effekt der Überflutungsflächen wäre eine Minderung des Wasserabflusses durch eine zeitliche Verzögerung. Diese Variante will Bürgermeister Reutter zu einem späteren Zeitpunkt vor Ort prüfen lassen. Dabei will der Gemeinderat auch feststellen, wie sich solche Anlagen auf das Landschaftsbild auswirken. Zum erstenmal seit 1978 habe ein Planer die Anlieger mit einbezogen, lobte ein Gemeinderat den Gutachter. Hätte man seinerzeit gleich auf die Anlieger gehört, hätte man viel Ärger und Kosten sparen können. Im 29.Jahr müsse man jetzt endlich eine endgültige Lösung finden. Das Anlegen von Retentionsbecken hielt der Sprecher für unrealistisch, da die Flurbereinigung abgeschlossen sei und die Flächen zudem in einem Landschaftsschutzgebiet liegen. Mehrere Räte, die sich ursprünglich skeptisch zur Öffnung des Butzbaches geäußert hatten, zeigten sich mittlerweile von der Richtigkeit dieser Lösung überzeugt, nicht zuletzt wegen der Zustimmung der Anlieger. Auf Wunsch eines Gemeinderats wird Planer Thomas Straub im Bereich der künftigen Ufermauer optisch noch nachbessern. Sofern hydraulisch und biologisch machbar, soll dort der Wasserspiegel etwas steigen. Parallel zum Wasserrechtsverfahren will Bürgermeister Jochen Reutter die finanzielle Förderung durch das Land absichern. Dieses hat signalisiert, 50% der zuwendungsfähigen Aufwendungen zu fördern. Zwingende Voraussetzung für eine Bewilligung, so die Gewässerdirektion Neckar, sei allerdings ein abgeschlossenes Wasserrechtsverfahren.
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Ja zu Gemeindehaus
Einstimmig erteilte der Gemeinderat dem Bau des neuen Katholischen Gemeindehauses das Einvernehmen. Voraussetzung ist, dass eine teilweise Überbauung des dortigen Abwasserkanals statisch keine Probleme verursacht. Die Entwurfsplanung hatte Pfarrer Johannes Amann auf Wunsch der Kirchenpflege dem Gemeinderat kürzlich nichtöffentlich vorgestellt. Das mit der Gemeinde architektonisch abgestimmte Gemeindehaus wurde von den Räten als städtebaulich sehr gefällig gelobt. Unterschiedliche Ansichten zwischen Gemeinde und Diözöse gab es in der Gestaltung des Vorplatzes. Die Gemeinde hätte es begrüßt, wenn sich der Platz zur Zeller Straße öffnen würde und von dort über eine Treppe erreichbar wäre. Dies würde in das Konzept der laufenden Ortsmittesanierung passen. Hier konnte freilich nur eine Kompromisslösung erzielt werden, da die Kirchenbehörde das letzte Wort behielt. Die Gemeinde konnte erreichen, dass ein behindertengerechter Zugang vom Ländle her geschaffen wird und weniger Treppen gebaut werden. Die Grüngestaltung wird die Kath.Kirche mit Landschaftsarchitekt und Ortsmittegestalter Jochen Köber abstimmen. Insgesamt bezeichnete Bürgermeister Reutter die Planung als gelungen und freute sich über das "sehenswerte Ergebnis".
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