Bericht von der Gemeinderatssitzung
18.12.2001

Kurz berichtet
Planung zu Schwätz- und Backhaus wird eingestellt Schulden bei Wasserversorgung sinken
Etat 2002 Neuen Herausforderungen stellen
Begriffe aus dem Haushalts-und Wirtschaftsrecht: Das ist gemeint Schwierige Entscheidungen, gegenseitiger Respekt
Weitere Investitionen im Abwasserbereich nötig

Kurz berichtet
Keine Fragen: Dicht besetzt wie selten waren die Zuhörerreihen in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres 2001. Die Gelegenheit, Fragen an den Bürgermeister und an den Gemeinderat zu stellen, nutzte keiner der Besucher. Nach der anfangs der Sitzung verlesenen Erklärung des Bürgermeisters in Sachen "Schwätz- und Backhaus" verließ die überwiegende Zahl der Hörer den Sitzungssaal.
Neues Dach: Das Einvernehmen erhielt der Bau eines Satteldachs auf eine Flachdachgarage im Ländle 2.
Freies Mandat :Abweichend vom sonst üblichen imperativen Mandat ermächtigte der Gemeinderat die drei Gemeindevertreter (Bürgermeister Jochen Reutter, Gemeinderat Günther Berroth, Gemeinderat Wolfgang Liebrich), bei der am nächsten Tag anstehenden Verbandsversammlung im Raum Bad Boll frei zu entscheiden und abzustimmen. Vor allem bei den Beratungen zum gemeinsamen Flächennutzungsplan wollte Bürgermeister Reutter entsprechend dem Diskussionsverlauf reagieren können.
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Planung zu Schwätz- und Backhaus wird eingestellt
-Gemeinderat reagiert auf Unterschriftenliste/Verein möglich-
Vor dem Hintergrund des vorliegenden Bürgervotums wird das Projekt "Schwätz- und Back" nicht mehr weiter verfolgt. Der Gemeinderat unterstützt mögliche Überlegungen der Lokalen Agenda-Gruppe zur Gründung eines Träger- oder Fördervereins. Diesen Beschluss hat der Gemeinderat bei 14 Ja-Stimmen und einer Enthaltung in einer nicht-öffentlichen Sitzung gefasst.

Den Beschluss und die nicht-öffentliche Beratung begründete Bürgermeister Jochen Reutter mit folgenden Worten:
"Im Namen aller Mitglieder des Gemeinderats gebe ich folgende Erklärung ab: Die derzeitige Situation stellt sich so dar, dass über 800 Unterschriften aus unserer Bürgerschaft gegen das Schwätz- und Backhaus vorliegen. Im Rückblick auf den abgelaufenen Planungsprozess muss festgestellt werden, dass es sicherlich aus einer Vielzahl von Gründen, die jeder für sich selbst heranziehen möge, nicht gelungen ist, unsere Bürgerschaft für diese Idee der Lokalen Agenda - und somit einer Idee aus der Bürgerschaft heraus - zu gewinnen und daraus eine Akzeptanz oder noch weitergehend eine Identifikation für das Schwätz- und Backhaus zu erreichen. Dies gilt es an dieser Stelle festzuhalten. Gleichzeitig mussten wir alle wahrnehmen, dass die Härte der Diskussion in den vergangenen Tagen und Wochen zunehmend das Klima in der Gemeinde veränderte und bestimmte. Vor dem Hintergrund der sich dabei auftuenden Gräben und Risse in der Bevölkerung hat sich der Gemeinderat dafür entschieden, das Thema "Schwätz und Back" nicht- öffentlich zu beraten. Diese Beratung sollte einerseits dazu dienen, der öffentlichen Diskussion die Schärfe zu nehmen und andererseits bei allen Betroffenen die Gräben nicht noch tiefer werden zu lassen. Nach Auffassung aller Mitglieder des Gemeinderats erscheint diese Vorgehensweise im Interesse des Gemeinwohls geboten, wie es die Gemeindeordnung auch vorsieht. Es ist hier und heute auch nicht der Zeitpunkt für öffentliche Schau- und Grabenkämpfe. Wir alle, die wir hier am Ratstisch sitzen, stehen in einer Gesamtverantwortung für unsere Gemeinde jetzt und in Zukunft, der wir uns stellen, die wir ausüben und der wir auch gerecht werden wollen. Wissend um die genannten Hintergründe und Fakten und unter Berücksichtigung seiner Verantwortung hat der Gemeinderat nach eingehender, durchaus kontroverser aber auch sehr konstruktiver Diskussion bei einer Enthaltung (....wie oben....) beschlossen. Persönlich möchte ich bemerken: Da wir am Ende eines Jahres stehen und bald in ein neues Jahr 2002 eintreten können, wünsche ich mir, dass die Gräben wieder zugehen, manche Enttäuschung sich legt und wir gemeinsam für unsere Gemeinde das Beste suchen".
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Etat 2002:
Wenig Spielraum für Investitionen Gesamtverschuldung geht zurück
Wie in den Vorjahren nimmt die Gemeinde nächstes Jahr keine Kredite auf, der Kernhaushalt bleibt schuldenfrei. Aus dem laufenden Betrieb können jedoch keine größeren Summen erwirtschaftet werden, so dass für Investitionen wenig Spielraum bleibt.

Bürgermeister Jochen Reutter bezeichnete den Entwurf für den Haushaltsplan 2002 denn auch als "Sparhaushalt". Die Zuführungsrate, also die freien Finanzmittel, beträgt ca. 20.000 €. Reutter verwies darauf, dass die Kommunen immer mehr ihren finanziellen Handlungsspielraum verlören, man aber nicht zu schwarz malen dürfe. Die wichtigste Investition, nämlich die Sanierung des Kindergartenaltbaus, sei gesichert. Bei der ebenfalls geplanten Sanierung des Butzbaches im Bereich des Sauerwasserbrunnens müsse man noch die Landeszuschüsse abwarten.
Der Verwaltungshaushalt wird zu 68% aus Steuern und Schlüsselzuweisungen gedeckt. Die wichtigsten Einnahmen sind dabei der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer mit 1.217.000 €, die Schlüsselzuweisungen mit 381.000 € und die Gewerbesteuer mit geschätzten 300.000 €. Das Gewerbesteueraufkommen der Städte und Gemeinden in Deutschland liegt 16% unter dem Niveau des Vorjahres. Dies erläuterte der stellvertretende Verbandskämmerer Michael Deiß. Die Hattenhofer Zuführungsrate hat sich gegenüber dem Vorjahr erholt, ist aber noch nicht zufriedenstellend.

Besserung ab 2003 in Sicht
Eine Besserung erwarten die Finanzfachleute für das Haushaltsjahr 2003. Dann wirken sich die Nivellierungseffekte des kommunalen Finanzausgleichs, der steuerkraftstarke und steuerkraftschwache Haushaltsjahre mit einer Zeitverzögerung von zwei Jahren weiter gibt, aus, so dass wieder eine "ordentliche Zuführungsrate", so Deiß, erreicht werden kann. Die Kreisumlage, die die Gemeinden an den Landkreis bezahlen müssen, erhöht sich für Hattenhofen um knapp 35.000 €, wenn der Landkreis seinen Hebesatz wie geplant erhöhen wird. Somit gibt die Gemeinde nächstes Jahr 691.000 € für den Kreishaushalt aus. Dies ist nach den Personalausgaben die größte Ausgabeposition. Der Etat für 2002 ist ausgeglichen und kommt wie in den Vorjahren ohne Darlehensaufnahme aus. Dies soll auch in den nächsten Jahren so bleiben. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Hattenhofen einschließlich der Eigenbetriebe Wasserversorgung und Abwasser beträgt knapp 730 € pro Einwohner. Damit liegt die Gemeinde etwas über dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Kommunen. Die Investitionen der letzten Jahre, betonte Deiß, wurden jedoch in die Daseinsvorsorge durch die Eigenbetriebe für Wasser und Abwasser investiert. Der Kernhaushalt ist schuldenfrei. Die seit 1980 unveränderten Hebesätze für die Grundsteuer A und die Gewerbesteuer werden nicht erhöht. Ebenso die seit 1997 geltende Grundsteuer B. Auch die Hundesteuer soll nicht erhöht werden. Trotz der für nächstes Jahr für den öffentlichen Dienst beschlossenen Tariferhöhung von 2,4% liegen die Personalausgaben mit rund 1.059.000 € nur um 1,08 % über dem Vorjahreswert. (siehe unten: Haushalt 2002 in Zahlen).

"Sorgsame Mittelbewirtschaftung"
Gelassen sahen die Sprecher der beiden Gemeinderatsfraktionen die Finanzlage. Man habe einen soliden Haushaltsplan, der sparsame Investitionen ermögliche, andererseits ein Zeichen für die bisherige sorgsame Mittelbewirtschaftung sei. Denn, darauf verwies ein Sprecher, die Schulden der Gemeinde gehen zurück. Die Sparmaßnahmen des Bundes träfen die Gemeinde in voller Härte, betonte ein Gemeinderat, wobei deren negativen Auswirkungen auf die Gewerbesteuereinnahmen bei den Gemeinden andererseits wieder vorteilhaft für die Betriebe seien. Der Sprecher kritisierte wie noch weitere Räte, dass die Gemeinde rund 1,5 Millionen Mark an den Kreis zahlen und dort das Geld überwiegend nicht im investiven Bereich, sondern für den Sozialhaushalt eingesetzt werden müsse.

"Ehrlicher Haushalt"
Dem Sprecher war es ein Anliegen, verschiedene im Ort kursierende Gerüchte klar zu stellen. So muss der Kindergartenaltbau nicht saniert werden, weil es durch das Dach regnet, wie teilweise behauptet wird. Vielmehr soll das Gebäude innen saniert und neu möbliert werden, deswegen ist zuvor eine grundlegende Sanierung des Dachs erforderlich. Die zusammen mit dem Neubau erfolgte Flachdachsanierung am Altbau war erfolgreich, so dass das Dach seit längerer Zeit dicht ist. Investitionen im Abwasserbereich könne man nicht über Grundstückserlöse finanzieren, so der Sprecher. Durch die Ausgliederung der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung in Eigenbetriebe müssen die jeweiligen Investitionen über Gebühren erwirtschaftet werden. Die Gebühren bei der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung sind so kalkuliert, dass sie "rentierlich" und somit kostendeckend wirken. Der eigentliche Kernhaushalt der Gemeinde ist daher schuldenfrei. Außerdem sei der Etat, so der Sprecher, ehrlich und ausgeglichen, da es keine versteckten Zuschüsse oder Subventionen gebe. Aufgrund der Finanzierung über den Eigenbetrieb müssen zum Beispiel Kanalsanierungen, neue Kanäle oder neue Wasserleitungen von der Solidargemeinschaft aller Bürger finanziert werden. Diese Investitionen könne nicht nur einem Teil der Bürgerschaft, z. B. den betroffenen Anwohnern, auferlegt werden. Der Sprecher verwies auf die hohen Sonderrücklagen aus dem Verkauf von NWS Aktien und der Ausschüttung von NEV-Kapital in Höhe von rund 450.000 €, die die finanzielle Situation der Gemeinde verbessern helfen. Diese Gelder, so die Anregung aus dem Gemeinderat, solle man nächstes Jahr in die Hermann-Walter-Stiftung anlegen und nicht verbauen.

Kritik an hohen Umlagen, aber: Gemeinde steht gut da
"Schuster, bleib' bei deinen Leisten", so fasste der Sprecher der anderen Gemeinderatsfraktion seine Eindrücke vom neuen Haushalt zusammen. Bei sinkender Verschuldung könne die Gemeinde entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten nächstes Jahr nur den Kindergarten und eventuell den Butzbach sanieren. Man werde wie in den Vorjahren mit den Mitteln sorgsam umgehen. "Den Letzten beißen die Hunde", so das Fazit von Bürgermeister Jochen Reutter auf die Kritik mehrerer Gemeinderäte an den hohen Umlagen, die die Gemeinde zahlen muss. Auch der Landkreis müsse Finanzmittel abgeben und hole sich seine Aufwendungen wieder von den Gemeinden. So sei eben das Umlage- Finanzierungssystem. Das von einem Gemeinderat schon letztes Jahr angeregte Bench-Marking will die Gemeinde nun umsetzen. Dies, so der Sprecher, sei wichtig für die Transparenz des Gemeindehaushalts und könne zeigen, auf welchem hohen Stand sich die Gemeinde bei den öffentlichen Einrichtungen und der Infrastruktur befinde. Wer mit offenen Augen durch den Ort gehe, so abschließend Bürgermeister Reutter, sehe einen hohen Erfüllungsgrad bei den öffentlichen Aufgaben. Der Gemeinde gehe es gut.

Der Haushalt 2002 in Zahlen    
 Gesamtvolumen   3.835.870 €
 Verwaltungshaushalt   3.396.170 €
 Vermögenshaushalt   439.700 €
 Kreditaufnahmen   0 €
 Verpflichtungsermächtigungen   0 €
 Grundsteuer A (Land-und Forstwirtschaft)   300 v.H.
 Grundsteuer B (Grundstücke)   280 v.H.
 Gewerbesteuer   330 v.H.
 Zuführungsrate   20.000 €
 Verschuldung auf 01.01.2002   2.292.124 €
 Verschuldung auf 31.12.2001   2.186.723 €
 Pro-Kopf-Verschuldung (31.12.2002)   730 € / Einwohner
 Personalausgaben   1.058.670 €
     
Wichtige Investitionen:    
 Anschaffungen für die Feuerwehr   7.000 €
 Anschaffungen für die Schule   23.000 €
 Dachsanierung Kindergarten   300.000 €
 Landessanierungsprogramm (Gemeindeentwicklung)   75.000 €

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Begriffe aus dem Haushalts-und Wirtschaftsrecht: Das ist gemeint
Haushalt, Haushaltsplan:

Die Gemeinden erlassen jährlich eine Haushaltssatzung. Diese enthält als umfangreiches Zahlenwerk den Haushaltsplan. Der Haushaltsplan enthält alle im Haushaltsjahr für die Erfüllung der Gemeinde anfallenden Einnahmen, Aus-gaben und Verpflichtungsermächtigungen (letzteres sind Gesamtbeträge über Ausgaben, die mehrere Jahre laufen, z.B. Baumaß-nahmen). Der Verwaltungshaushalt ist gewissermaßen ein Verbrauchshaushalt mit Personal- und Sachausgaben und den zur Deckung dieser Ausgaben benötigten Einnahmen. Das Ganze ist in etwa vergleichbar mit der kaufmännischen Gewinn- und Ver-lustrechnung. Der Vermögenshaushalt ist ein Investitionshaushalt. Dort ist enthalten, was die Vermögensbestände der Gemeinde verändert, entsprechend der Aktiv- und Passivposten in der kaufmännischen Bilanz. Der Haushalt in Hattenhofen ist schuldenfrei, denn die Gemeinde hat die Wasserversorgung sowie die Abwasserbeseitigung (dort liegen die gemeindlichen Schulden) aus dem allgemeinen oder Kern-Haushalt ausgegliedert. Siehe Eigenbetriebe.

Zuführungsrate:
Dies ist der überschüssige Betrag, den der Verwaltungshaushalt erwirtschaftet (z.B. über Einnahmen aus Steuern, Zuweisungen und Gebühren) und an den Vermögenshaushalt abführt. Die Einnahmen, die der Verwaltungshaushalt nicht zur Deckung seiner Ausgaben benötigt, können also investiert werden. Die Zuführungsrate ist daher ein wichtiges, aber nicht das einzige, Zeichen für die finanzielle Leistungsfähigkeit einer Gemeinde. Für eine Gesamtbeurteilung ist u.a. die Höhe der Rückla-gen, der Erfüllungsgrad der Aufgaben (Infrastruktur) und das verkaufsfähige Vermögen der Gemeinde in Immobilien zu berücksichtigen. Bei den genannten Punkten hat die Gemeinde Hattenhofen einen hohen Standard.

Eigenbetriebe:
Seit 1998 hat die Gemeinde die Bereiche der Abwasserbeseitigung und der Wasserversorgung aus dem allge-meinen Haushalt ausgegliedert und als Eigenbetriebe angelegt. Dies sind wirtschaftliche Unternehmen ohne eigene Rechtspersön-lichkeit. Die Gemeinde haftet mit ihrem Vermögen für die Betriebe. Deswegen sind die Schulden der beiden Hattenhofer Eigenbetriebe Schulden der Gemeinde bzw. der Bürger. Jedoch sind die Wasser- und Abwasser-Gebühren so kalkuliert, dass die Betriebe kostendeckend arbeiten. Sanierungen oder neue Leitungen bzw. Kanäle werden durch die Gebühren aller Verbraucher finanziert, auch dann, wenn "nur" ein Wohngebiet oder eine Straße betroffen ist, also ein Teil des Orts. Dies ist der Normalfall, denn der Bau oder die Sanierung einer Wasserleitung oder eines Kanals für den gesamten Ort wird praktisch nicht vorkommen. Derzeit sinken die Schulden bei der Wasserversorgung, während die Abwasserbeseitigung weiterhin rote Zahlen schreibt. Die Gesamtverschuldung beider Betriebe und damit der Gemeinde sinkt jedoch.

(Sonder-)Rücklagen:
Die Gemeinde muss Rücklagen in angemessener Höhe bilden. Damit soll die Kassenliquidität gesichert und der Investitionsbedarf im Vermögenshaushalt erträglicher gestaltet werden. Der gesetzliche Mindestbestand bei der allgemeinen Rücklage von zwei Prozent der Ausgaben des Verwaltungshaushalts wird in Hattenhofen überschritten. Daneben kennt das kom-munale Haushaltsrecht noch die Sonderrücklagen. Dies sind Einzelrücklagen für besondere Zwecke. In Hattenhofen wurde eine Sonderrücklage aus dem Erlös der Neckarwerke-Aktien sowie aus der aktuellen Gewinnausschüttung des Neckarelektrizitätsverbands (NEV) gebildet, deren Verwendung noch offen ist. Sowohl die allgemeine wie auch die Sonderrücklage sind sicher, ertragsbringend und für ihren Zweck rechtzeitig verfügbar angelegt, wie es das Gemeindehaushaltsrecht vorgibt.

Benchmarking:
Dies ist ein Instrument aus der Qualitätssicherung der freien Wirtschaft und ein kontinuierlicher Prozess der Selbstkontrolle- und -verbesserung in einer Umgebung ständiger Veränderungen. Unternehmen und Kommunen vergleichen sich mit den Besten ihrer Branche. Mittels Checklisten und Kennzahlen wird zunächst der derzeitige Stand erhoben. Danach sollen bessere Prozesse und Methoden der Unternehmensführung entdeckt und angewandt werden. In Hattenhofen soll Benchmarking zunächst im kleinen Rahmen durchgeführt werden.
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Weitere Investitionen im Abwasserbereich nötig
Der Schuldenstand im Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung steigt - im Gegensatz zur Gesamtsituation der Gemeinde - leicht an, wird aber in den Jahren 2003 bis 2005 wieder sinken. Dies erläuterte Michael Deiß von der Verbandskämmerei. Im Erfolgsplan sind die Erträge und Aufwendungen ausgeglichen und betragen insgesamt 586.000 €. Haupteinnahmequelle sind die Abwassergebühren mit 396.000 €. Auf der Ausgabenseite fallen die Abschreibungen mit 132.000 € ins Gewicht. Rückläufig ist die Betriebskostenumlage für die Sammelkläranlage Uhingen mit 96.000 €. An Zinsen zahlt der Betrieb ca. 213.000 €. Der seit Januar 2000 gültige Abwasserpreis wird vermutlich auch in den kommenden Jahren gehalten.
Der Vermögensplan hat ein Volumen von 480.000 €. Davon werden 285.000 € durch eine Kreditumschichtung aus dem Eigenbetrieb Wasserversorgung finanziert. Die Gesamtverschuldung der Gemeinde steigt dadurch nicht, da gleichzeitig eine Sondertilgung in gleicher Höhe beim Eigenbetrieb Wasserversorgung durchgeführt werden kann. Der Schuldenstand bei der Abwasserbeseitigung steigt von rund 1.375 Millionen Euro auf 1.591 Millionen Euro. Für Kanalsanierungsmaßnahmen stehen knapp 280.000 € zur Verfügung. Bürgermeister Jochen Reutter verwies auf die hohen Investitionen in den Pflichtbereichen der Abwasserbeseitigung der letzten Jahre. So hat die Gemeinde den neuen Kanal zur Uhinger Kläranlage, mehrere Regenklärbecken bauen und die Kanalsa-nierung in Ledergasse und Zeller Straße durchführen müssen. Diese Investitionen schlagen sich in den kostendeckenden Gebühren nieder. Hier sei Hattenhofen jedoch nicht alleine, so der Sprecher, der auf die Nachbargemeinden Aichelberg und Zell u.A. verwies, wo die Gebührenhöhe etwa mit der in Hattenhofen übereinstimmt. Ein Gemeinderat bat die Verwaltung, an einer möglichen Entwässerung des Riedenhofs und der Sportvereinsheime weiterzuplanen. Derzeit werden die dortigen Grundstücke über geschlossene Gruben entwässert und der Fäkalschlamm zur Uhinger Kläranlage gefahren. Ein anderer Rat stieß sich an dem seiner Meinung nach zu hohen Kosten für den Steuerberater, der die beiden Eigenbetriebe betreut. Bürgermeister Reutter erklärte die Kosten mit der geltenden Prüfungs- und Honorarverordnung für Steuerberater.
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Schulden bei Wasserversorgung sinken
Sanierungen stehen an

Die Schulden beim Eigenbetrieb Wasserversorgung sinken weiter. Andererseits müssen ab nächstem Jahr Wasserleitungen in noch nicht bekannter Höhe saniert werden. Der Erfolgsplan des Eigenbetriebs ist in Erträgen und Aufwendungen ausgeglichen und beträgt insgesamt 290.000 €. Haupteinnahmequelle sind die Wassergebühren von rund 280.000 €. Damit wird der Fremdwasser-bezug von der Uhinger Gruppe finanziert. Der Wasserverlust durch undichte Leitungen beträgt ca. 6.5 %. Aufgrund des äußerst günstigen Geschäftsverlaufs kann sich der Eigenbetrieb eine Sondertilgung von 285.000 € leisten. Dadurch sinken die Schuldzin-sen um 14.000 €. Der seit Januar 1999 gültige Wasserpreis wird im vierten Jahr beibehalten und soll auch in den kommenden Jahren beibehalten werden. Der Vermögensplan weist ein Volumen von 452.000 € auf. Übrige Mittel von 364.000 € aus dem Jahr 2000 können zur Entschul-dung des Eigenbetriebs eingesetzt werden. Für die anstehenden Sanierungen der Wasserleitungen vor allem im Wohngebiet Dobelwiesen stehen 110.000 € zur Verfügung. In den Folgejahren stehen dafür jeweils Beträge von 31.000 € bereit. Der Schul-denstand sinkt von derzeit 906.000 € auf 585.000 €. Sehr erfreut zeigte sich Bürgermeister Jochen Reutter über die Entwicklung beim Eigenbetrieb Wasserversorgung. Die Sanie-rungsmaßnahmen möchte Reutter zusammen mit den anstehenden Kanalsanierungen durchführen. Vorher müssen noch die Kanalbefahrungen mittels Kamera ausgewertet werden.
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Neuen Herausforderungen stellen
Ein Schluss- und Dankeswort sprach Bürgermeister Jochen Reutter in der letzten Sitzung des Jahres. Nicht nur der Euro komme, man müsse sich auch in der Gemeinde einer stattlichen Zahl neuer Herausforderungen stellen, erinnerte der Schultes an zahlreich anstehende Bebauungsplanverfahren und Sanierungen. Reutter bedankte sich beim Gremium für die gute Zusammenarbeit in einem arbeitsintensiven Jahr. Das Jahr sei von kommunalpolitischen Diskussionen geprägt gewesen, man solle es nun hinter sich lassen. Im neuen Jahr werde man gemeinsam für die Gemeinde einen neuen Start hinlegen. Dafür wünsche er den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten Kraft, Mut und Optimismus. Reutter bedankte sich auch bei der anwesenden Presse für die Berichterstattung. Wie seit mehreren Jahren verzichtet die Gemeinde auf Geschenke für ihre Partner, sondern spendet stattdessen für die beiden Projekte der Grund- und Hauptschule in Indien und Indonesien.
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Schwierige Entscheidungen, gegenseitiger Respekt
Das letzte Wort hatte traditionell der Stellvertretende Bürgermeister. Günther Berroth bedauerte, dass am Schluss der Sitzung nur noch eine Handvoll Hörer übrig geblieben war. Der Sprecher erinnerte an die kommunalpolitischen Entscheidungen im vergangenen Jahr, die nicht immer leicht zu treffen gewesen seien. Berroth nannte die Entscheidungen zur Erweiterung des Gewerbegebiets für die Firma Plattenhardt, den Bebauungsplan Graubachtal-Ortsmitte und aktuell an die Planungen und Entscheidungen zum Thema Schwätz- und Backhaus. Bei letzterem sei das Gremium mit einer Situation konfrontiert worden, so Berroth, wie sie noch nie dagewesen sei und die den Gemeinderat stark bewegt habe. Denn die Ideen und Planungen zu diesem Projekt seien nicht vom Gemeinderat oder der Verwaltung, sondern von Bürgern im Rahmen der Lokalen Agenda gekommen. Die Gegner des Projekts hätten sich erst in der planerischen Endphase in der Öffentlichkeit bemerkbar gemacht. Bei einer rechtzeitigen öffentlichen Information und Diskussion der Backhausgegner, z. B. bei den öffentlichen Sitzungen der Lokalen Agenda und den Gemeinderatssitzungen, hätten viele Unstimmigkeiten vermieden und Positionen klarer dargestellt werden können, bedauerte Berroth die Entwicklung zu diesem Thema. Übers Jahr gesehen seien im Gemeinderat einige Themen sehr lebhaft und auch kontrovers, jedoch in gegenseitigem Respekt vor der Meinung des anderen diskutiert worden. Den Hattenhofer Gemeinderat zeichne aus, dass es grundsätzlich um die Sache und nicht um sachfremde Interessen gehe, wie sie zu oft in parteipolitisch geprägten Diskussionen festzustellen seien. Berroth bedankte sich bei Bürgermeister Reutter und dem Rathausteam für die stets gute Arbeit. Jochen Reutter, so der Sprecher, sei den Hattenhofern als kompetenter und überaus verlässlicher Bürgermeister bekannt.
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