Bericht von der Gemeinderatssitzung
24.04.2002

Kurz berichtet Dies sind die Tatsachen: Was steht in der Absage des Verwaltungsverbands?
Gartenbaubetrieb: Betriebliche Entwicklung im Bestand ermöglicht Kritik ja, aber bitte sachlich Bebauungsplanentwurf sichert öffentlichen Weg-Abschnitt im Storren
"Enteignungs"-Flugblatt: Bürgermeister weist Vorwürfe zurück Bevölkerung vor den Karren gespannt Keine Satteldächer für den Kindergarten
-Kosten und Optik entscheiden-

Kurz berichtet
Veränderungssperre: Die Ende Mai auslaufende Veränderungssperre für das Bau-gebiet "Storren 1" hat der Gemeinderat um ein weiteres Jahr verlängert, um das laufende Bebauungsplanverfahren abzusichern. (Siehe öffentliche Bekanntmachung in dieser Ausgabe). Gleichzeitig erteilte das Gremium eine Ausnahmegenehmigung für das Bauvorhaben von Achim Reyher im Geltungsbereich der Veränderungssperre.
Auslegung: Den Bebauungsplanentwurf "Storren 1" und die örtlichen Bauvorschriften hat der Gemeinderat einstimmig gebilligt und deren öffentliche Auslegung beschlossen. (Siehe öffentliche Bekanntmachung in dieser Ausgabe).
Bauanträge: Dem Bau von Dachgauben und zwei Carports, Schlierbacher Straße 12 hat der Gemeinderat einstimmig, dem Bau eines Doppelhauses mit Garagen, Im Sommergarten 7 und 7/1, bei einer Enthaltung das Einvernehmen erteilt.
Dachsanierung: Der Altbau beim Kindergarten erhält kein Steildach, stattdessen wird das vorhandene Flachdach im Bestand saniert. Diese Lösung ist ca. 85.000 Euro günstiger als die Steildachvariante. Die Flachdachsanierung beschloss der Gemeinderat bei drei Gegenstimmen. Neubau: Einstimmig erhielt eine Bauvoranfrage zum Bau eines Einfamilienhauses anstelle des Altbaus in Hauptstraße 105 das Einvernehmen, sowohl für ein Satteldachgebäude als auch für ein Pultdach. Auf einen Stellplatznachweis soll wegen der geringen Grundstücksgröße verzichtet werden, solange die derzeitige Eigentümerin, die keinen PKW besitzt, darin wohnt.
Steuerberatung: Das vom Gemeindeverwaltungsverband beschäftigte Steuerberatungsbüro, das die Jahresabschlüsse der Gemeinde Hattenhofen prüft, arbeitet günstiger als ein Deutschland weit operierendes Unternehmen. Diese Vergleichsrechnung legte Bürgermeister Reutter dem Gremium auf eine Anfrage aus dem Gemeinderat vor.
Haushalt: Die Haushaltssatzung 2002 und die Wirtschaftspläne für die Eigenbetriebe der Gemeinde sind gesetzmäßig. Dies hat das Landratsamt bestätigt. Zum Seitenanfang

Gartenbaubetrieb: Betriebliche Entwicklung im Bestand ermöglicht
Wohnhaus und Stall in der Hauptstraße 60 sollen mit zusätzlichen Wohn- und Sozialräumen umgebaut werden, die bisherige Scheune wird zu einer gewerblichen Halle umgebaut. Außerdem werden Stellplätze und eine Lagerfläche angelegt. Diesem Bauantrag des Gartenbaubetriebs Achim Reyher hat der Gemeinderat einstimmig zugestimmt. Seit Januar 1998 befasst sich die Gemeinde mit einer möglichen baulichen Entwicklung auf dem Areal. Seitdem wurden mehrere Bauanträge des Bauherrn teilweise zurückgezogen, teilweise von der Gemeinde abgelehnt. Die ursprünglichen Anträge sahen vor, ein Wohnhaus und eine Gewerbehalle im Außenbereich zu bauen. Über ein Jahr wurde zuletzt über eine mögliche Betriebsverlagerung ins Gewerbegebiet Reustadt verhandelt. Nun verbleibt der Gartenbaubetrieb am bisherigen Standort. Der aktuelle Bauantrag entspricht dem, was die Gemeinde mit dem Bebauungsplan "Storren 1" in baulicher und gewerblicher Entwicklung in dem Bereich zulassen will, wie Hauptamtsleiter Norbert Baar darlegte. Die Verwaltung und Planer Ernst Erich Kuhn, der den Bebauungsplan bearbeitet, beurteilten das Vorhaben als durchweg positiv und als architektonisch gute Lösung. Eine solche hätte sich die Gemeinde schon früher vorstellen können und auch gewünscht, so Baar. Nachdem auch keine Angrenzereinwendungen vorliegen, folgte der Gemeinderat ohne weitere Aussprache dem Vorschlag der Verwaltung, der Planung trotz einer Veränderungssperre grünes Licht zu geben.
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"Enteignungs"-Flugblatt: Bürgermeister weist Vorwürfe zurück
Über vier Jahre lang hat die Gemeinde in zahlreichen Gesprächen versucht, den örtlichen Landschaftsgärtner Achim Reyher bei seiner betrieblichen Entwicklung zu unterstützen, ohne dabei die Belange von Naturschutz, Landschaftsbild und Ortsentwicklung zu vernachlässigen. Zunächst am Standort, später in Reustadt. Die Angebote der Kommune zu einer Betriebsverlagerung wurden nicht angenommen. Dies legte Bürgermeister Jochen Reutter in einer detaillierten öffentlichen Stellungnahme dar. Anlass für die Erklärung des Bürgermeisters waren eine Anzeige im "Wochenjournal" und ein Flugblatt in die Hattenhofer Haushalte, in dem die Familie Reyher behauptet, die Gemeinde wolle eine 78jährige Frau enteignen und die Existenz einer siebenköpfigen Familie zerstören. Da dieses Flugblatt eine Reihe sachlich falscher Anschuldigungen und auch persönlicher Angriffe gegen Bürgermeister und Gemeinderat enthält, sah sich Reutter veranlasst, die Fakten auf den Tisch zu legen.
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Dies sind die Tatsachen:
Die Chronologie des Verfahrens beginnt am 16. Dezember 1997, als bei der Gemeinde erstmals ein Bauantrag von Achim Reyher eingeht. Reyher will ohne landwirtschaftliche Priviligierung mitten im Streuobstbereich im Storren ein Wohnhaus bauen. Diesen Bauantrag zieht er zurück. Im April 1999 reicht er einen ähnlichen Bauantrag ein, der sowohl vom Landratsamt als auch vom Landwirtschaftsamt so nicht akzeptiert wird, da ein Betriebskonzept fehlt. Auch dieser Bauantrag wird zurückgezogen. Ein dritter Bauantrag vom Februar 2000 verlegt das Wohnhaus näher an die bestehende Bebauung, aber immer noch im Streuobstbereich. Auch diesen Bauantrag lehnt das Landratsamt aus Gründen des Naturschutzes und wegen fehlender landwirtschaftlicher Priviligierung ab. Die Behörde empfiehlt, das Wohnhaus möglichst nahe an der Straße zu errichten. Auch diesen Antrag zieht Reyher zurück. Im April 2000 versagt die Gemeinde das Einvernehmen für einen Maschinenschuppen, da kein Gesamtkonzept vorliegt und der Schuppen so gebaut werden soll, dass für ein späteres Wohnhaus wieder nur Platz im Außenbereich wäre. Vor diesem Hintergrund beschließt der Gemeinderat, für den Bereich einen Bebauungsplan aufzustellen. Dieser soll die bauliche Abrundung formulieren, den Streuobstbestand sichern und eine öffentlich-rechtliche Erschließung des Storren vorbereiten. Familie Reyher lehnt den Bebauungsplanentwurf bis heute ab, da sie keine Fläche für einen öffentlichen Weg abgeben will. Bislang verläuft dort der Storrenweg auf den Privatgrundstücken mehrerer Grundstückseigentümer. Die Gemeinde will eine vertragliche Lösung bei der vorgesehenen Bodenordnung, die Familie Reyher spricht dagegen von "Enteignung". Im September 2000 versagt der Gemeinderat dem geplanten Maschinenschuppen erneut das Einvernehmen, da dieser von seiner Lage her den künftigen Festsetzungen des Bebauungsplans widersprechen würde. Im Februar 2001 informiert die Familie Reyher die Gemeinde, dass sie sich Gedanken über eine Betriebsverlagerung mache. Der Gemeinderat steht diesem Gedanken offen gegenüber. Auf ihre Kosten gibt die Gemeinde ein Wertgutachten für das Areal Reyher in Auftrag, das im Juli 2001 vorliegt. Die Planungen verdichten sich auf das Gebiet Reustadt. Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung im Oktober 2001 mit einem Zuteilungsentwurf. Außer der Familie Reyher gibt es zwei weitere Interessenten an Gewerbefläche in Reustadt, darunter ein dortiger Grundstückseigentümer. In mehreren Gesprächen lehnen die Eheleute Reyher verschiedene Planungsvarianten ab, da sie die künftige Gewerbegebietserweiterungsfläche in Reustadt alleine nutzen wollen bzw. mehr Fläche beanspruchen, als ihnen die Gemeinde zuteilen kann. Zu konkreten Verhandlungen über einen eventuellen Grundstückstausch bzw. Kaufpreisverhandlungen zwischen Reyher und Gemeinde kommt es erst gar nicht. Am 24. April 2002 genehmigt der Gemeinderat trotz Veränderungssperre einen Bauantrag von Achim Reyher am Standort Hauptstraße 60.
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Kritik ja, aber bitte sachlich
Die Gemeinde habe ihr möglichstes getan, um den Interessen aller Beteiligten gerecht zu werden, so Bürgermeister Jochen Reutter. Keinesfalls könne man dem Gemeinderat mangelnde Kompromissbereitschaft vorwerfen. Selten habe er selbst, so der Schultes, in einer Angelegenheit so oft und lange verhandelt wie hier. Gemeinderat und Bürgermeister müssten oft zwischen Gemeinwohl und Individualinteressen abwägen. Wer im Rampenlicht stehe, müsse sich immer Kritik gefallen lassen, so der Sprecher, entscheidend sei, dass sich die Kritik auf sachlicher Ebene bewege. Dann sei sie das Salz der Demokratie. Die Kritiker dürften aber das rechte Maß nicht verlieren. Für diese Form der Auseinandersetzung, wie sie durch die Anzeige und das Flugblatt entstanden sei, habe er kein Verständnis mehr, so Reutter, und auf diese Ebene werde er sich nicht hinab begeben. Er werde weiterhin um Lösungen ringen, dabei könne man nicht immer dem Individualinteresse nachgeben. Letztlich müsse der Gemeinderat dem Gemeinwohl dienen.
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Bevölkerung vor den Karren gespannt
Anzeige und Flugblatt seien der ungewöhnliche Höhepunkt einer unrühmlichen Geschichte, so ein Gemeinderat. Statt Kooperation habe Reyher immer nur Konfrontation geboten. Das Flugblatt rücke den Sachverhalt ins falsche Licht und bewege sich unterhalb der Gürtellinie. Alle Vorschläge der Gemeinde habe Reyher abgelehnt. Wäre der Bauantrag vor Jahren so formuliert gewesen wie der jetzt genehmigte, hätten beide Seiten Energie und Geld sparen können. Den Vorwurf einer Enteignung könne man nicht stehen lassen. Beim Ausbau der Ortsdurchfahrt Mitte der 70er Jahre hätten viele Anlieger Fläche abtreten müssen und dies zu Gunsten des Gemeinwohls auch eingesehen. Auch Reyher sollte einsehen, dass die Anlieger im Storren für einen öffentlichen Weg gegen Entschädigung Fläche abtreten sollten. Mit dem Flugblatt habe sich der Bauherr einen Bärendienst erwiesen. Wenn man mit jedem Bürger und jedem Fall so viel Mühe hätte wie mit diesem, so ein weiterer Sprecher aus dem Gremium, brauche man zehnmal so viel Personal und Gemeinderatssitzungen. Die Anzeige sei unverschämt und honoriere nicht die Bemühungen des Gemeinderats um einen Kompromiss. Die Bevölkerung werde für private Interessen vor den Karren gespannt. Der im Flugblatt angesprochene mögliche Entzug des gemeindlichen Grünpflegeauftrags für Reyher habe überhaupt nichts mit den Grundstücksverhandlungen zu tun, sondern hänge mit Reyhers von vielen Bürgern beklagten Fehlverhalten auf den gemeindlichen Feldwegen zusammen. Außerdem sei Achim Reyher nicht der einzige Jungunternehmer im Ort, sondern es gebe noch weitere Interessenten für Gewerbefläche in Reustadt, die man genauso berücksichtigen müsse. Die Sache sei eine einzige Zumutung für die Bevölkerung. Ein dritter Sprecher meinte, der Gemeinderat könne sich nicht als "Deppen vom Dorf" hinstellen lassen, das Flugblatt sei eine Frechheit und eine Beleidigung. So könne man nicht mit ehrenamtlich Tätigen umgehen, meinte abschließend ein vierter Gemeinderat. Achim Reyher wolle die Bevölkerung irreführen.
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Was steht in der Absage des Verwaltungsverbands?
Im Flugblatt verweist die Familie Reyher darauf, dass die Anzeige im amtlichen Mitteilungsblatt nicht gedruckt wurde und zitiert mit wenigen Sätzen aus dem Ablehnungsschreiben des Gemeindeverwaltungsverbands. Dieser ist Herausgeber des Mitteilungsblattes und hatte die Familie Reyher brieflich darüber informiert, dass die Anzeige nach den Veröffentlichungsrichtlinien des Verbandes nicht veröffentlicht werden könne. Anzeigen mit nachteiligem Inhalt für den Gemeindeverwaltungsverband und dessen Mitgliedsgemeinden sowie Leserbriefe und Beiträge, die gegen gesetzliche Vorschriften, die guten Sitten oder die Interessen des Verbands und seiner Mitgliedsgemeinden verstoßen, sind ausgeschlossen. In der Anzeige werde sowohl der Bürgermeister der Gemeinde als auch der Gemeinderat auf das schärfste angegriffen, so Verbandsgeschäftsführer Thomas Herre in seinem Brief. Dem spreche grundsätzlich nichts entgegen, da Kommunalpolitik von der politischen Auseinandersetzung lebe. Diese sollte jedoch in einem Rahmen erfolgen, der sachlich, offen und gegenseitig mit der gebotenen Fairness geführt werde. Die in der Anzeige gebrauchten Formulierungen mit dem Absprechen von Objektivität und Sachkenntnis sowie die Unterstellung, die Gemeinde treibe jemanden in den Ruin, seien jedoch im Vorfeld der Gemeinderatssitzung für die Sache selbst wenig dienlich. Nach den bestehenden Veröffentlichungsrichtlinien sehe er daher keine Möglichkeit, so Herre, das Schreiben als Leserbrief oder als Anzeige im "Blättle" aufzunehmen. Der Verband wolle der Diskussion in der Gemeinderatssitzung am 24.April nicht durch die Veröffentlichung des Schreibens einseitig vorgreifen.
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Bebauungsplanentwurf sichert öffentlichen Weg-Abschnitt im Storren
Die Entwürfe des Bebauungsplans "Storren 1" und dessen örtlichen Bauvorschriften werden mit Begründung gebilligt und öffentlich ausgelegt. Dies hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Das Verfahren läuft seit dem 24. Mai 2000, als der Gemeinderat beschlossen hat, für den Bereich "Storren 1" einen Bebauungsplan aufzustellen und eine Veränderungssperre zu erlassen. Im Oktober 2000 erhielten die Eigentümer und Bürger im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Farrenstall Gelegenheit zur Äußerung und zur Erörterung. Parallel hatte die Gemeinde die Träger öffentlicher Belange (Behörden, Naturschutzbund usw.) in die Planung eingeschaltet. Etwa ab Dezember 2000 ruhte das Verfahren, da die Möglichkeit der Umsiedlung des dort ansässigen Gartenbaubetriebs geprüft und verhandelt wurde. Solange diese Frage nicht entschieden war, konnte in dem Verfahren nicht weiter geplant werden. Die Betriebsverlagerung kommt nun nicht zustande (siehe auch Bericht in der letzten Ausgabe), so dass das Verfahren nach einem zeitlichen Bruch von gut einem Jahr formell fortgesetzt wird. Die vorgezogene Bürgerbeteiligung und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange brachten zahlreiche Anregungen, die der Gemeinderat abwägen musste. Neben der baulichen Abrundung des Ortsrands und der Sicherung des Streuobstbestands will die Gemeinde mit dem Bebauungsplan eine öffentliche Erschließung im Storren planerisch vorbereiten. Gemeinderat, Verwaltung und Planer halten dort einen öffentlichen Weg für Anlieger, Fußgänger, Radfahrer und Landwirtschaft für unabdingbar, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des langjährigen und vielfach geäußerten Wunsches aus der Bevölkerung, im Storren einen öffentlichen Weg anzulegen. Dieses Thema ist bei den Anliegern umstritten, da die bisherige Wegfläche rein über private Grundstücke führt. Die Anlieger müssten also im Rahmen einer Bodenordnung gegen Entschädigung Fläche abgeben, wobei die Gemeinde eine vertragliche Lösung bevorzugt. Der dort ansässige Betrieb lehnt die Planung komplett ab und will es bei einer privaten Erschließung belassen. Darüber wurde im letzten Mitteilungsblatt berichtet. Die anderen Anlieger regten an, die geplante Wegbreite von fünf Metern auf 3,50 Meter zu reduzieren. Diesem Vorschlag folgte Planer Erich Ernst Kuhn in Abstimmung mit der örtlichen Landwirtschaft, wobei links und rechts des Wegs noch 50 cm Ausweichfläche angelegt werden. Mit dieser reduzierten Fahrbahnbreite möchte die Gemeinde auch dokumentieren, dass über diesen Weg keine Erschließung des Wohngebiets im Storren westlich und östlich des Plangebiets vorbereiten werden soll. Allerdings kann dann auf dieser engen Verkehrsfläche nicht geparkt werden. Beibehalten wird dagegen der Geltungsbereich des Bebauungsplans. Weder werden überplante Grundstücke herausgenommen noch angrenzende Flächen in den Plan einbezogen, denn, wie Hauptamtsleiter Norbert Baar darlegte, entscheiden städtebauliche Gründe, wo im Storren die bauliche Abrundung erfolgt und nicht der verständliche Wunsch von Grundstückseigentümern, Acker in Bauland umzuwandeln.
Die Versorgungsträger, der Verband Region Stuttgart, das Straßenbauamt, das Verkehrsamt und die Untere Naturschutzbehörde stimmen der Planung zu. Der örtliche Naturschutzbund begrüßt die durch den Plan vorgesehene Sicherung des Streuobstbestandes, hat jedoch Sorge, dass früher oder später an das Plangebiet angebaut werde. Baar verwies darauf, dass eben dies der Gemeinderat nicht wolle und in jüngster Zeit durch Bebauungspläne die naturverträgliche Abrundung von Ortsrändern gesichert werde. Das Landwirtschaftsamt regte an, nördlich der Bebauung, also im bisherigen Außenbereich, ein Mischgebiet für eine gewisse gewerbliche Entwicklung zuzulassen. Die Gemeinde will dort jedoch ein allgemeines Wohngebiet für drei bis fünf Häuser fixieren. Ein Gartenbaubetrieb wäre dann ausnahmsweise zulässig, so dass die Gemeinde dem dortigen Betrieb helfen und den-noch die gewerbliche Bebauung in einem für die Entwicklung verträglichen Maß steuern könnte. Die Baurechtsbehörde regte an, auf die im Plan festgelegte höhere Stellplatzverpflichtung zu verzichten. Wegen der engen Erschließung ist es jedoch notwendig, dass die PKW alle auf den privaten Flächen untergebracht werden.
Planer Erich Ernst Kuhn erläuterte dem Gremium und den zahlreich erschienenen Zuhörern detailliert die Planung sowie deren Ziele und Zwecke. Der vorhandene Streuobstbestand solle nicht "angeknabbert" werden, so der Planer. Im Baufenster lässt der Plan nur eine maßvolle Bebauung mit drei bis fünf Einzelhäusern zu, Geschosswohnungsbau ist dort nicht möglich. Maximal 30 % der Fläche dürfen hier bebaut werden. Ausführlich erläuterte Kuhn die Verkehrsplanung. Die Gemeinde wird auf eigener Fläche eine Wendeplatte anlegen, ansonsten besteht auf dem kurzen Abschnitt, sollte er öffentlich werden, Sichtverbindung. Begegnungsverkehr von PKW und Landwirtschaft ist nicht möglich, es kann immer nur ein Fahrzeug durchfahren. Fläche für öffentliche Stellplätze ist nicht vorhanden. Der Gemeinderat, der die Planung schon öfters beraten hatte, stimmte dem Entwurf ohne weitere Aussprache zu. Der Planentwurf wird nun für einen Monat öffentlich ausgelegt.
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Keine Satteldächer für den Kindergarten
-Kosten und Optik entscheiden-

Das Flachdach des Kindergartenaltbaus erhält eine gefällelose Sanierung mit Dachbegrünung. Die Kosten betragen ca. 215.000 €. Dies hat der Gemeinderat nach langer und detaillierter Diskussion bei drei Gegenstimmen beschlossen. Die Variante eines Steildachs für rund 300.000 € wird daher nicht weiter verfolgt.

Der Beschluss setzt den Schlusspunkt unter einen längeren Planungsprozess, der den Gemeinderat in mehreren Sitzungen be-schäftigt hat. Im Dezember 2000 war das örtliche Architekturbüro Liebrich mit der Planung eines Schrägdaches mit Gefälle zur Sanierung des Kindergartendaches beauftragt worden. Die Kosten dieser Sanierung hätten rund 195.000 € betragen. Im April 2001 stornierte der Gemeinderat die Planung. Bauingenieur Bernd Liebrich war ins Detail gegangen und hatte festgestellt, dass diese Variante aufgrund des komplizierten Grundrisses und der vielen Dachaufbauten und Dachdurchbrechungen beim Kindergartenaltbau erhebliche Probleme verursachen würde, mit denen zunächst nicht zu rechnen war. Das Architekturbüro Liebrich, die Verwaltung und der städtebauliche Berater der Gemeinde, Dr. Jürgen Koch, hatten dem Gemeinderat im Juli 2001 dann ein Modell für ein mögliches Steildach vorgestellt. Das Büro Liebrich erhielt den Auftrag, die Variante einer Steildachsanierung im Kindergartenaltbau zu prüfen. Dieses Gutachten lag dem Gemeinderat nun zur Entscheidung vor.
Belichtung wäre ein Problem
Planer Bernd Liebrich stellte dem Gremium sein Gutachten sehr sorgfältig und detailliert vor und hatte auch mögliche, bei einem Steildach verwendbare Materialien zur Ansicht mitgebracht. Eines der Kernprobleme bei einem Steildach sei es, so der Planer, dass ohne die bisher auf dem Flachdach vorhandenen Gauben keine ausreichende Belichtung der Gruppenräume gewährleistet sei. Deswegen müsse im Bereich der alten Dachgauben transparentes Deckungsmaterial vorgesehen werden, ähnlich den Lichtdecken, die in Museen eingebaut werden. Die Belichtung mit Tageslicht verschlechtere sich aber im Vergleich zum bisher vorhandenen Flachdach. Auch im Winter, wenn Schnee auf dem Dach liege, könne man den Verlust von Tageslicht nur mit zusätzlichem Kunstlicht ausgleichen. Um den Eindruck eines Supermarktes zu verhindern, schlug Liebrich vor, eine farblich differenziert gestaltete Dachfläche z. B. mit farbig glasierten Ziegeln anzulegen. Im Gegensatz zur Flachdachsanierung am alten Kindergartendach müsse bei einem Steildach ein neues Entwässerungssystem angelegt werden. Insgesamt sei die Kindergarten- und Hofentwässerung dann mit neuen Leitungen vorzunehmen. Der neu entstehende Dachraum wäre künftig ungenutzt, da eine Nutzung z. B. als Spielraum weitere Kosten hinsichtlich Wärmedämmung und Statik nach sich ziehen würde. Unter gestalterischen, wirtschaftlichen sowie technischen Gesichtspunkten schlug Liebrich eine Dachdeckungskombination von glasierten Tonziegeln und Plexiglaswellplatten vor. Auf diesen Materialien beruhte auch die Kalkulation des Büros.
Ortsbild würde sich verändern
Insgesamt, so das Fazit des Planers, stelle ein Satteldach mit 25 Grad Neigung einen erheblichen Eingriff in die Gesamtkonzeption des Kindergartens dar. Dessen Erscheinungsbild werde sich völlig ändern. Auch beim vier Jahre alten Kindergarten-Neubau habe sich der Architekt an dem benachbarten Flachdachbau orientiert. Der Kostenunterschied zwischen Flachdachsanierung und Steildachsanierung würde rund 85.000 € betragen. Dr. Jürgen Koch, der die Gemeinde städtebaulich berät, beurteilte die Planungsvarianten aus seiner Sicht. Das größere technische Risiko bereite die Flachdachsanierung, denn ein Satteldach sei nun mal dichter als ein Flachdach, zumal sich unter dem Satteldach zusätzlich das alte Flachdach befände. Die Planungsalternative mit drei Satteldächern auf dem Altbau birge jedoch das größere gestalterische Risiko, so der Fachmann. Koch verwies beispielhaft auf die Sillerhalle, deren neues Steildach er städtebaulich als nicht so gelungen empfindet.
Abwägung: Risiken gegen Kosten
Letztlich, so Koch, müsse sich der Gemeinderat entscheiden, ob er 85.000 € mehr für eine höhere technische Sicherheit bei größerem gestalterischem Risiko ausgeben wolle oder nicht. Die Wortmeldungen im Gremium zielten mehrheitlich in eine Richtung. Ein modernes Flachdach werde wieder 30 Jahre halten wie das alte Dach, die größere technische Sicherheit beim Steildach seien die Mehrkosten von 85.000 € nicht wert. Zudem würde sich das neue Steildach nicht so harmonisch in die grüne Ortsmitte einfügen wie das vorhandene Flachdach. Ein Gemeinderat sah sich durch die geplanten bunten Dächer an Legoland erinnert. Die eingesparten 85.000 €, so mehrere Sprecher, könne man sinnvoller für die Innensanierung anlegen. Auch Räte, die bisher einer Flachdachsanierung kritisch gegenüber standen, schwenkten auf Grund der Kostensituation zur Flachdachsanierung um, "in Gottes Namen" wie sich ein Gemeinderat äußerte. Ein "Hundertwasserhaus" in der Ortsmitte wäre zwar schön, so ein anderer Sprecher, aber die hohen Kosten seien absehbar gewesen.
Zweifel an Haltbarkeit
Ein Gemeinderat verwies jedoch darauf, dass das bisherige Dach keineswegs 30 Jahre gehalten habe, wie von Vorrednern angeführt. Vielmehr habe man nun schon die dritte Sanierung hinter sich, sämtliche Dachdecker des Ortes seien schon auf dem Dach gewesen. Man habe an anderer Stelle schon wiederholt viel Geld für Sanierungsmaßnahmen ausgegeben, wo es unnötig gewesen wäre, wenn das Gebäude ordentlich erstellt worden wäre, so ein weiterer Sprecher, der seinerzeit die Untersuchung einer Steildachvariante beim Kindergarten angeregt hatte. Der Rat verwies auf die Sanierung des Sillerhallendaches und auf den aktuell zu beschaffenden Sonnenschutz für die Schulaula. Die Formulierung in einem NWZ-Artikel, er wolle um jeden Preis ein Steildach, sei falsch, so der Sprecher. Vielmehr gehe es ihm stets um die beste Lösung. Man brauche ein Dach, das dicht sei. Dem Kindergarten eine andere Dachform zu verpassen, sei eine technisch anspruchsvolle Aufgabe, deswegen sei er für einen Architektenwettbewerb gewesen (den der Gemeinderat dann mehrheitlich abgelehnt hatte). Der Sprecher zeigte sich mit dem Ergebnis des Gutachtens unzufrieden. Für Bürgermeister Reutter war das städtebauliche Gestaltungsrisiko entscheidend, zudem sieht der Schultes die künftige Belichtungssituation als kritisch an. Reutter plädierte für die Flachdachsanierung, wobei ein gewisses "Bauchweh" bleibe. In der nächsten Gemeinderatssitzung will der Gemeinderat das Büro Liebrich nach Vorlage eines Angebots mit der Sanierungsplanung beauftragen.
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