Bericht von der Gemeinderatssitzung
24.07.2002

Kurz berichtet Aus der Verbandsversammlung
Kindergarten-Dachsanierung: Vergabe der Gewerke hält Kostenrahmen ein Über eine Million Euro für Kanalsanierung erforderlich
Gemeinderat will abschnittsweise sanieren
Planentwurf für Schützenstraße und Albershauser Straße wird ausgelegt
Neue Gemeinschafts-Stromleitung von Deutscher Bahn und Neckarwerken
Ja zu Putenstall unter Auflagen
Kritik an Fachbehörden

Kurz berichtet
Neubau: Kenntnis nahm der Gemeinderat vom Abbruch des Wohnhauses Hauptstraße 105. Dort soll ein neues Haus etwas größer gebaut werden. Der Bauvoranfrage hatte die Gemeinde zugestimmt.
Ohne Gemeinderat: Wie jedes Jahr erhielt die Verwaltung vom Gemeinderat die Ermächtigung, in der Sitzungspause während der Sommerferien einfache Bauanträge sowie Bauplatzanfragen selbst zu entscheiden.
Verfahren abgeschlossen: Das Landratsamt hat den im Februar beschlossenen Bebauungsplan "Graubachtal/Ortsmitte" und die dazugehörigen örtlichen Bauvorschriften zur Kenntnis genommen. Damit ist das Verfahren abgeschlossen.
Hundehaltung: Der "runde Tisch" mit Hundehaltern, Verwaltung, Gemeinderat, Naturschützern, Landwirten und Jagdpächtern zum Thema Hundehaltung soll nach den Sommerferien stattfinden. Darüber informierte Bürgermeister Jochen Reutter Gremium und Zuhörer.
Dank: Den Dank des evangelischen und des katholischen Pfarrers an die bürgerliche Gemeinde überbrachte Bürgermeister Reutter den Gemeinderäten. Diese hatten jüngst beschlossen, die Erlöse des diesjährigen und des nächsten Straßenfestes je zur Hälfte den beiden Kirchengemeinden zukommen zu lassen. Die beiden Pfarrer wollten dafür bei ihrem himmlischen Chef ihren ganzen Einfluss für gutes Wetter geltend machen.
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Kindergarten-Dachsanierung: Vergabe der Gewerke hält Kostenrahmen ein
Bei Gesamtkosten von rund 173.000 Euro hat der Gemeinderat einstimmig die Arbeiten für die Dachsanierung des Kin-dergartenaltbaus vergeben. Wie der federführende Bauingenieur Bernd Liebrich betonte, liegt das Ergebnis der be-schränkten Ausschreibung im Rahmen der Kostenschätzung. Es verbleibt eine Reserve von rund 14.000 Euro, die für Elektroanschlüsse, Blitzschutzanlage usw. ausgeschöpft werden kann.

Der Fachmann geht davon aus, dass der vorgegebene Kostenrahmen eingehalten wird. Den größten Anteil an den Sanierungskosten machen die Dachdichtungsarbeiten mit Leckmeldeanlage aus, für rund 96.000 EUR erhält hier die Firma Küpperbedachung/Die Werkstatt aus Salach den Auftrag. Die Zimmermannsarbeiten sowie die Fensterarbeiten gehen an örtliche Betriebe: für knapp 40.000 EUR werden die Firma Jürgen Höfer und für gut 13.000 EUR die Firma Bernd Fauser ihre Gewerke verrichten. Bei den Fensterarbeiten entschied sich der Gemeinderat für Fenster mit Sicherheitsglas, die knapp 2.000 EUR teurer sind als die Fenster ohne Sicherheitsglas. Die Flaschnerarbeiten erledigt für knapp 24.000 EUR die Firma Ivsic aus Schlierbach. Hier will Bernd Liebrich zwei verschiedene Materialien verwenden. Das höherwertige und teurere Uginox soll vorwiegend bei höher bean-spruchten Bauteilen, die eine größere Dichtigkeit erfordern, ausgeführt werden. Das günstigere aber optisch schönere Titanzink (verzinkter Edelstahl) wird zur Verkleidung großer Sichtflächen verwendet. Mit den Handwerkern sollen über die Ferien die Bau-verträge geschlossen werden, so dass Anfang September mit den Arbeiten begonnen werden kann. Die einzelnen Bauabschnitte will Planer Liebrich in Abstimmung mit der Gemeinde und der Kindergartenleitung durchführen, er rechnet mit einem Abschluss der wichtigsten Baumaßnahmen bis Ende Oktober.
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Planentwurf für Schützenstraße und Albershauser Straße wird ausgelegt
Den geänderten Entwurf des Bebauungsplans Schützenstraße und der örtlichen Bauvorschriften hat der Gemeinderat einstimmig gebilligt. Der Entwurf wird öffentlich ausgelegt, siehe öffentliche Bekanntmachung in dieser Ausgabe. Nachdem der Gemeinderat Ende Februar schon einmal über einen ersten Entwurf beraten und mehrere Änderungswünsche geäußert hatte, war das Gremi-um mit dem geänderten Entwurf nun einverstanden. In einer Baulücke entlang der Schützenstraße, in der sich mehrere Grund-stückseigentümer flächenmäßig einigen mussten, um eine Bebauung überhaupt zu ermöglichen, wurde unter der Moderation der Gemeindeverwaltung ein einvernehmliches Ergebnis erzielt, das sowohl städtebaulich als auch in der Bodenordnung ansprechend ist. Entlang der Albershauser Straße wurde anstelle einer geplanten Grünzone ein größeres Baufenster festgesetzt, das dort zweizeiliges Bauen ermöglicht. Ein Baufenster auf einem schmalen Grundstück angrenzend an einen landwirtschaftlichen Betrieb, das vom Gremium im Vorfeld kontrovers diskutiert wurde, ist im Planentwurf weiterhin enthalten. Bürgermeister Jochen Reutter hält es für eine sachgerechte Abwägung im Gemeinderat für erforderlich, zu diesem Punkt die Stellungnahmen der Fachbehörden einzuholen. Ein Gemeinderat, der dem Planentwurf dann zustimmte, hätte sich gewünscht, die private Grünfläche, die im Bereich der nördlichen Schützenstraße die Bebauung in den Außenbereich abfedert, zum Schutz der Streuobstwiesen noch weiter hinauszuziehen. Verwaltung und die Mehrheit im Gemeinderat wollen jedoch hierbei abwarten, ob das umstrittene Baufenster im Bebauungsplan verbleibt oder nicht und die private Grünzone dann entsprechend anpassen. Der Planbereich wird gemäß dem Flächennutzungsplan als Mischgebiet ausgewiesen. Dort sind nach Baunutzungsverordnung unter anderem auch Speisewirtschaften und Hotels zulässig. Auf Anregung aus dem Gemeinderat wird diese Nutzung im Bereich nördlich der Schützenstraße gestrichen.
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Neue Gemeinschafts-Stromleitung von Deutscher Bahn und Neckarwerken
Den Umbau der bestehenden 110 kV-Bahnstromleitung zwischen Süßen und Hattenhofen nimmt die Gemeinde zur Kenntnis. Sie begrüßt die künftige Bündelung der Stromleitungen von Deutscher Bahn und Neckarwerken und den Wegfall einer alten Neckarwerke-Leitung. Die Maßnahme soll zeitlich mit dem geplanten Bau einer Gasleitung auf der gleichen Trasse abgestimmt werden. Dies hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen.
Die Deutsche Bahn will die bestehende Bahnstromleitung München-Stuttgart im Bereich Amstetten-Plochingen umbauen. Zwischen Süßen und Hattenhofen will die Deutsche Bahn mit den Neckarwerken eine Gemeinschaftsleitung auf der vorhandenen Trasse bauen, dafür soll der bisherige Strang der Neckarwerke zwischen Göppingen und Hattenhofen abgebaut werden. Etwa fünfzig Eigentümer auf Hattenhofer Markung sind durch die Maßnahme betroffen, davon die Hälfte von außerhalb. An dem Verfahren sind neben rund 20 Kommunen über 90 Träger öffentlicher Belange beteiligt. Die Unterlagen lagen im Rathaus öffentlich aus, die Einwendungsfrist ist am 30. Juli abgelaufen.
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Ja zu Putenstall unter Auflagen
Kritik an Fachbehörden

Grünes Licht erhielt der Bau eines Putenmaststalles mit Kompostplatte und Güllegrube auf dem Greinerhof, zwei Gemeinderäte stimmten dagegen. Der Bauherr muss allerdings Auflagen der Naturschutzbehörde erfüllen, um den Eingriff in die Landschaft auszugleichen. Außerdem will die Verwaltung mit dem Landwirt reden, ob die bis zu sieben Meter hohe Halle nicht niedriger gebaut werden kann. Der Gemeinderat hatte Anfang Juni schon einmal über den Bauantrag beraten und eine Entscheidung zurückgestellt, da verschiedene Punkte noch geklärt werden mussten. In dem Maststall soll Putenhaltung nach "Bioland"-Kriterien stattfinden, was einen entsprechenden Freilaufbereich für die bis zu 2000 Tiere bedingt. Das Landwirtschaftsamt sieht eine ordnungsgemäße Dungverwertung gewährleistet und hat aus immissionsschutzrechtlicher und baurechtlicher Sicht keine Bedenken. Der amtliche Naturschutz fordert wegen der "beachtlichen Größe" der Halle unter anderem eine Pflanzung von heimischen Obstbaumhochstämmen und die Anlage eines Heckenbiotops entlang der Wege um das Hofgelände. Zwei Gemeinderäte kritisierten die Stellungnahmen der Fachbehörden für Landwirtschaft und Naturschutz, die dem Vorhaben zustimmen. Die Größe des geplanten Stalls übertreffe alles, was man bisher in Hattenhofen im Außenbereich genehmigt habe, so ein Sprecher, das Gebäude werde im Gelände sehr dominant wirken. Außerdem würden von einer Geflügelfarm starke Emissonen ausgehen, die vom Naturschutz geforderte Eingrünung sei kein ausreichender Ausgleich. Ein zweiter Sprecher kritisierte die hohe Halle, die "ausreichen würde, um dort Giraffen unterzubringen". Für eine Putenhaltung sei aber eine Halle von drei Meter Höhe ausreichend. Die Verwaltung will deswegen mit dem Bauherrn noch einmal über eine eventuelle Höhenreduzierung des Gebäudes sprechen.
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Aus der Verbandsversammlung
In der jüngsten Versammlung des Gemeindeverwaltungsverbandes "Raum Bad Boll" wurde der Entwurf des Flächennutzungsplans beraten. Der Plan liegt derzeit in den Rathäusern aus, informierte Bürgermeister Reutter. Außerdem haben sich alle acht Gemeinden des Voralb-Raums, also auch Heiningen und Eschenbach, für den Bau einer Realschule am Standort Boll ausgesprochen. Ende September wollen die Bürgermeister das Thema zusammen mit dem Oberschulamt, Vertretern des Kultusministeriums sowie den Landtagsabgeordneten des Landkreises besprechen. Unmut erregt die aktuelle Ausgabepraxis der NWZ, die ihre Seiten in die Bereiche Voralb, Schurwald, Stadtbereiche unteres und oberes Filstal geteilt hat. Die Verbandsgemeinden beklagen seitdem ein Informationsdefizit, da aus den Nachbargemeinden nur noch bei größeren Angelegenheiten berichtet wird. Der Verwaltungsverband wird im Mitteilungsblatt eine Resolution veröffentlichen.
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Über eine Million Euro für Kanalsanierung erforderlich
Gemeinderat will abschnittsweise sanieren

Rund 1,1 Millionen Euro wird die Sanierung der Kanäle in Hattenhofen kosten. Über diese Kostenschätzung informierte Diplom-Ingenieur Thomas Herrmann aus Weilheim den Gemeinderat und zeigte exemplarische Ergebnisse der Kamera-befahrung auf Video. Die Eigenkontrollverordnung des Landes Baden-Württemberg verpflichtet die Gemeinden zur regelmäßigen Überprüfung und Sanierung ihrer Kanäle und sonstigen Abwasserbehandlungsanlagen.
1997 wurden der Kanal in der Ledergasse und 1999 der Kanal in der Zeller Straße komplett ausgewechselt. Die beiden Kanal-maßnahmen kosteten zusammen über 600.000 EUR. 1999 wurden etwa 2.200 laufende Meter Kanal untersucht und im Jahr 2000 mit Gesamtkosten von knapp 77.000 EUR saniert, wobei das Land 33% finanzierte. Im gleichen Jahr wurden die Kanalstrecken im Wohngebiet Bruckwiesen untersucht, insgesamt 3.672 laufende Meter Kanal. Dort werden die Sanierungskosten ca. 190.000 EUR betragen. Bis auf das Wohngebiet Sommerweide, dort sind die Kanäle noch zu neu, wurden letztes Jahr die restlichen Kanäle im Gemeindegebiet überprüft, insgesamt knapp 10.000 laufende Meter. Dort werden die Sanierungskosten ca. 918.000 EUR betragen. Je nach angewandten Verfahren können diese Kosten sich noch erhöhen, denn eine Auswechslung ist teurer als eine Sanierung mit innenliegenden Kunststoffröhren (Inlinerverfahren). Die errechneten Sanierungskosten lägen jedoch im Rahmen des Üblichen, so Thomas Herrmann, und teilweise unter den Kosten der Sanierungen in Nachbargemeinden. Auf 13 Videobändern, mehreren Disketten und viel Papier sind die Schäden der Hattenhofer Unterwelt dokumentiert. Die Bewertung erfolgt in Schadens-klassen, wobei Schadensklasse 1 eine umgehende Schadensbeseitigung erfordert und Schadensklasse 6 keinen Handlungsbedarf bzw. keine Schäden feststellt. Ein gutes Drittel der untersuchten Kanäle sind in Schadensklasse 2, die eine kurzfristige Schadensbeseitigung bedingt. Knapp 30% der Kanäle sind mittelfristig zu sanieren, eine umgehende Schadensbeseitigung steht bei rund 8% der Kanäle an. Knapp 30% der geprüften Kanalisation hat keinen Schaden oder nur kleinere Mängel.
Schadensschwerpunkte sind laut Herrmann im Wohngebiet Bruckwiesen, in Dobel- und Uhlandstraße sowie in der Friedhofstraße. Vor allem im Bereich Dobelwiesen sei fast jeder alte Stutzen beschädigt und gebe es Risse in den Kanalrohren. Die Sanierungskosten für die Kanäle im Landkreis rechnete Bürgermeister Reutter auf weit über 50 Millionen EUR hoch, das sei von den Gemeinden finanziell kaum zu bewältigen. Hattenhofen werde deswegen, wie viele andere Gemeinden auch, beim Land einen Förderantrag stellen. Allerdings sei der Zuschussantrag für die Sanierung der Kanäle im Bruckwiesen schon zweimal abgelehnt worden. Hauptschäden seien nicht die Fremdwasserzutritte, so Thomas Herrmann auf Anfrage, sondern im Gegenteil der Austritt von verschmutztem Abwasser, damit werde das Grundwasser gefährdet. Angesichts der bevorstehenden Investitionssumme zeigten sich die Gemeinderäte alles andere als begeistert. Man habe zwar vor allem in den älteren Siedlungen mit diesen Schäden rech-nen müssen, so ein Sprecher, jedoch könne man dieses Paket nur abschnittsweise und nach Prioritäten bewältigen. Ein Gemein-derat schlug vor, einen Bauausschuss zu gründen, der die Sanierung betreuen solle. Vor allem müsse man ein Gesamtkonzept erstellen, in dem alle öffentlichen Leitungen, die Hausanschlüsse und auch anstehende Belagssanierungen berücksichtigt würden. Derzeit bestehe noch keine gesetzliche Pflicht, so Bürgermeister Reutter, Hausanschlüsse zu sanieren, bei der nächsten Gesetzes-Novellierung auf EU-Ebene sei allerdings damit zu rechnen. Der Schultes warnte davor, angesichts der Gesamtkosten "in tiefe Depression zu verfallen". Man habe nun mal eine Menge Kanäle und da sei mit Schäden zu rechnen. Die Sanierung werde sich aber über mehrere Jahre ziehen müssen. Man habe zeitlichen Spielraum, so Dipl. Ing. Thomas Herrmann, auch bei den Schäden in Schadensklasse 1 müsse man nicht schon im nächsten halben Jahr die Straße aufreissen. Bürgermeister Reutter will als näch-stes einen Zuschussantrag beim Land stellen.
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