Bericht von der Gemeinderatssitzung
23.10.2002

Kurz berichtet
Kirchensanierung
Schulleitung informiert:

Kurz berichtet
Gemeinderat sagt nein: Nur vier Stimmen erhielt der Antrag der Verwaltung, dem Bau eines Einfamilienhauses mit Stellplatz Im Sommergarten 1 das Einvernehmen zu erteilen. Das Haus überschreitet die zulässige Traufhöhe um 50 cm. Die Mehrheit der Gemeinderäte wünscht sich an der Stelle aus städtebaulich- optischen Gründen eine Abstufung der Firsthöhe und wollte daher einer Befreiung, die den drei Nachbargebäuden noch erteilt worden war, nicht zustimmen. An dem Haus, das bereits begonnen wurde, kann bis auf weiteres nicht weitergebaut werden.
Änderung beschlossen: Die Erweiterung des Bebauungsplans "Dobelwiesen-Ahorn" um eine Teilfläche des Flurstücks 297/5 (Albstraße 5) und die öffentliche Auslegung des Planentwurfs hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Zur Abrundung des dortigen Wohngebiets kann im bisherigen Garten des Grundstücks ein Haus und eine Garage gebaut werden. Siehe öffentliche Bekanntmachung in der nächsten Ausgabe.
Verfahren wird fortgesetzt: Die beiden laufenden Veränderungsverfahren zum Bebauungsplan "Sommerweide II" werden zusammengefasst und fortgesetzt. Das Schützenhaus soll in den Geltungsbereich der Erweiterung, die bislang nur die Flächen um das neue DAK-Gebäude umfasst, aufgenommen werden. Mangels einvernehmlicher Regelungen mit den Grundstückseigentümern Lindenhof, was einige Gemeinderäte bedauerten, wird der Lindenhof bis auf weiteres nicht einbezogen. In Übereinstimmung mit dem Naturschutzbund soll der überplante Bereich in nördlicher Hinsicht mit einer Hecke abgeschlossen werden. Einen Wall, wie NABU und Verwaltung vorgeschlagen hatten, wollen die Gemeinderäte dort jedoch nicht setzen.
Gebäude besichtigt: Zum dritten Mal hat die gemeindliche Gebäudebesichtigungskommission die öffentlichen Einrichtungen, erstmals auch die gemeindeeigenen Wohnungen auf ihren Zustand überprüft. Die jährliche Überprüfung trägt Früchte, wie die Kommission feststellte. Der Zustand und die Sauberkeit der gemeindlichen Gebäude sind aufgrund der laufenden Unterhaltungsmaßnahmen und Wartungen in Ordnung, die Zahl der Mängel nimmt jedes Jahr ab. An größeren Maßnahmen stehen in nächster Zeit der Einbau eines Behinderten-WC's in der Aussegnungshalle, die Innensanierung des Kindergarten-Altbaus, Außenanstrich und Betonsanierung an der Sillerhalle, und die Entscheidung über die Verwendung der Schulhofüberdachung ins Haus. Außerdem benötigt der Sitzungssaal im Farrenstall eine zeitgemäße Medientechnik. Seit Jahren gibt es feuchte Schäden im Erdgeschoss des Rathauses. In den drei gemeindeeigenen Wohnungen sind nur kleinere Unterhaltungsmaßnahmen erforderlich.
Nicht lesbar: Einige Straßennamenschilder im Ort seien mittlerweile nicht mehr lesbar. Darauf wies ein Bürger die Gemeinderäte hin. BM Reutter will sich darum kümmern.
Obdachlosenunterbringung: Seit Ende Oktober hat die Gemeinde einen neuen Obdachlosenfall. Darüber informierte Amtsrat Norbert Baar. Mangels eigener Unterbringungsmöglichkeiten hat die Gemeinde die betroffene Person in die bisherige Wohnung wieder eingewiesen und diese beschlagnahmt. Die Gemeinde hofft auf Eigeninitiative des Betroffenen, ansonsten bleibt nur die Unterbringung in einem Container oder Wohnwagen.
Butzbachsanierung: In der letzten Oktoberwoche beginnen die Arbeiten zur Butzbachsanierung, informierte BM Reutter auf Anfrage. Als erstes wird das Sauerwasserhäuschen abgebaut und die Bushaltestelle verlegt. Inwieweit zeitweise eine halbseitige Sperrung der Hauptstraße erforderlich wird, klären die Planer derzeit mit dem Landratsamt.
Zone 30: In Ledergasse, Uhland- und Dobelstraße gilt Tempo 30. Dies bestätigt die Verwaltung auf Anfrage einer Gemeinderätin.
Kanalsanierung: Über den Zuschussantrag der Gemeinde zur Kanalsanierung hat das Land noch nicht entschieden. Dies berichtete BM Reutter auf Anfrage. Der Schultes bot den Räten an, die Videofilme über die "Hattenhofer Unterwelt" genauer studieren zu können.
Citybau: Der "Citybau", Hauptstraße 26, soll wie von den beauftragten Architekten in öffentlicher Sitzung vorgestellt saniert werden. Dies habe die Eigentümerversammlung mehrheitlich beschlossen, so BM Reutter auf Anfrage.
Kanaldeckel: In der Regel würden scheppernde Kanaldeckel nach Hinweis aus der Bevölkerung mit Gummi unterlegt, so BM Reutter auf Nachfrage.
Belagschäden: Der erst zwei Jahre alte Belag in der Hauptstraße weise diverse Mängel auf, monierten zwei Gemeinderäte. Daran sei aber nicht die Baufirma, sondern das Straßenbauamt schuld. Derzeit verhandle die Straßenbaubehörde mit der ausführenden Baufirma, bestätigt BM Reutter. Die Fristen zur Reklamation seien eingehalten und dokumentiert.
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Kirchensanierung:
Die bürgerliche Gemeinde beteiligt sich an den Kosten.

20 % der Gesamtkosten, das sind rund 60.000 €, wird die bürgerliche Gemeinde, verteilt über zwei Jahre, der Evangelischen Kirchengemeinde für die Sanierung der Ägidiuskirche zukommen lassen. Dies hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Ob die Finanzierung aus dem allgemeinen Haushalt oder aus dem Sonderfond der Neckarwerke finanziert wird, wird noch gesondert entschieden.
Seit einem Jahr befasst sich der Kirchengemeinderat mit der Sanierungsplanung, wie Pfarrer Gerd Häußler dem Gemeinderat erläuterte. War der Oberkirchenrat zunächst von Gesamtkosten von rund 200.000 € ausgegangen, ergab eine detaillierte Kostenschätzung des Ebersbacher Architekten Heinz Bauer Gesamtkosten von 315.000 €. Zusätzlich zu Fassadenarbeiten, erneuern von Turmuhr und Turmzier müssen die Fundamente und die Mauern entfeuchtet und eine Drainage angelegt werden. Außerdem ist das Dach des Kirchenschiffes schadhaft, das ganze Dach muss einheitlich neu gedeckt werden. Der Kirchenge-meinderat möchte das Gesamtvorhaben durchführen, nicht zuletzt aufgrund einer Förderungszusage des Oberkirchenrats von 45 %. An eigenen Mitteln kann die Kirchengemeinde rund 80.000 € aufbringen. Den Restbetrag von rund 90.000 € muss die Kirche durch Spenden, Zuschüsse und eigene Leistungen aufbringen. Pfarrer Häußler bat die Gemeinderäte um einen Zuschuss von 20 % der Gesamtkosten. Bei den Kirchturmsanierungen der umliegenden Gemeinden haben sich die bürgerlichen Gemeinden mit jeweils rund 50 % an der Sanierung beteiligt. Für die reine Kirchturmsanierung in Hattenhofen würde dies einen Betrag von rund 43.000 € bedeuten. Die Kirche sei ein Bauwerk, aus denen die Gemeinde ihre städtebauliche und kulturelle Identität herleite. Noch heute, so der Schultes, präge der Kirchturm ein Ortsbild entscheidend und gebe dem Ort einen Mittelpunkt. Die Kirchengemeinde bei ihrem Projekt finanziell zu unterstützen, war der einhellige Tenor im Gremium. Der Kirchturm habe eine Sanierung dringend nötig und es gehe darum, ein kulturelles Erbe zu bewahren. Zwei Gemeinderäte kritisierten allerdings, dass der Oberkirchenrat starre Fördersätze habe und sich nicht an örtlichen Besonderheiten orientiere. Mit 45 % sei man schon an der Maximalgrenze, gab Pfarrer Häußler zu bedenken. Ein Gemeinderat erinnerte daran, dass man aus Gleichbehandlungsgründen auch prüfen müsse, ob die Katholische Kirchengemeinde bei ihrem Neubau oder der Kirchensanierung noch Zuschussbedarf habe. Zur Finanzierung schlugen mehrere Sprecher die Verwendung der Sondermittel aus dem Verkauf der Neckarwerkeaktien vor. Außerdem regten die Räte an, dass die Kirche über eigene Aktivitäten zusätzliche Geldquellen erschließen sollte. Man werde bei den Kirchenmitgliedern ein Sonderopfer erbitten und auch sonstige Aktionen veranstalten, bestätigte Pfarrer Gerd Häußler, dieses sei jedoch eher eine Frage der Öffentlichkeitsarbeit. Gemessen an den Gesamtkosten ließen sich dadurch keine hohen Einnahmen erzielen. Der einstimmige Beschluss zur finanziellen Unterstützung jedenfalls, so Pfarrer Häußler mache ihm Mut für das weitere Projekt.
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Kirche sagt DANKE
Mit einer Dachplatte des Kirchturms und einem Strauß von Schokoriegeln bedanken sich Eleonore Frank-Gaul, die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats und Pfarrer Gerd Häußler für die Spende der Gemeinde aus dem Straßenfesterlös. Sowohl die Katholische Kirche als auch die Evangelische Kirche haben jeweils 1.423,-- € erhalten.

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Schulleitung informiert:
Die Hattenhofer Grund- und Hauptschule wird gut geführt.
Die gesellschaftlichen Probleme an Schulen größerer Gemeinden und Städte treten auf dem Land noch nicht so zu Tage. Diesen Eindruck nahmen die Gemeinderätinnen und Räte an einem Gespräch mit Schulleiter Georg Schmid und dessen Konrektor Hermann Mühleisen mit. Derzeit sind in der Schule 226 Schüler auf zehn Klassen verteilt und werden von 16 Lehrern betreut. Die Schulleitung gehe verantwortungsvoll mit dem ihr zugeteilten Etat um, erläuterte Georg Schmid und er gebe auch nicht gebrauchte Mittel zurück. Der Sprecher betonte das gute Vertrauensverhältnis zur Gemeinde, die Schule bekomme in materieller Hinsicht alle Unterstützung, die sie benötige. Dies bestätigte sein Stellvertreter Hermann Mühleisen, der für die Medientechnik zuständig ist. Mit derzeit 25 PC sei der Grundbedarf an EDV-Ausrüstung abgedeckt, und stehe auch für interne Lehrerfortbildung zur Verfügung. Die Audioausrüstung sei ebenfalls komplett, ein Wunsch sei ein Videobeamer. Die Schule lege Wert darauf, dass sich die Kinder in der großen Pause bewegten, so Georg Schmid. Da man dafür nicht nur den Schulhof, sondern auch die beiden benachbarten Spielplätze und auch die neue Boulderwand der Gewerbeinitiative Hattenhofen zur Verfügung habe, könne man den Bewegungsdrang auch flächenmäßig entzerren. Zwangsläufig kam in der Diskussion die Frage eines Gemeinderats nach den Auswirkungen der PISA-Studie für die Hattenhofer Schule. Hattenhofen sei davon nicht betroffen, so Georg Schmid, da die PISA-Studie nur die Vierzehn- bis Fünfzehnjährigen und vor allem an Brennpunktschulen einbezogen habe. National sei Baden-Württemberg zwar führend, international jedoch nur zweite Liga im Bildungswesen. Die Politik müsse der Bildung eindeutig mehr Gewicht zukommen lassen, so der Sprecher, auch in finanzieller Hinsicht. Während die Bildungsausgaben in Deutschland einen einstelligen Prozentsatz am Bruttosozialprodukt betrügen, sei dies beispielsweise in Skandinavien zweistellig. In Bremen, nannte der Sprecher ein anderes Beispiel, seien die Gymnasien auf einem hohen Niveau, während an den Hauptschulen katastrophale Bedingungen und Sozialprobleme herrschten. Diese gesellschaftlichen Probleme könne man nicht zum Nulltarif auffangen, so Schulleiter Schmid. Im Landkreis lägen die Leistungen der Hattenhofer Schule über dem Durchschnitt. Dies liege auch daran, dass viele Schüler anstatt in die Realschule weit entfernter Städte wegen des Fahrwegs lieber in der Hattenhofer Hauptschule blieben. Allerdings, so Schmid, gebe es auch in den Hattenhofer Klassen Problemkinder und mit 33 Kindern je Klasse sei der pädagogisch sinnvolle Rahmen bei weitem überschritten. Für eine effizientere Ausbildung benötige man mehr Lehrer und auch mehr Räumlichkeiten. Die Lehrer zeigten hohes Engagement und wollten sich auch weiterbilden, könnten dies aber in der Praxis oft nicht, weil es dann keine Ersatzkraft für ihre Klasse gebe. Allerdings müsse man, so der Schulleiter, bereits im Kindergartenalter ansetzen. Jedes vierte Kind, das auf die Schule wechsle, weise Sprachstörungen auf. Die Möglichkeiten für Förderstunden und freiwillige AG's gingen jährlich zurück, heute könne man sich nur noch auf den Pflichtunterricht beschränken. Ein armes Land wie Mexiko habe nach PISA sofort reagiert und versuche, den PISA-Sieger Finnland nachzuahmen, während in Deutschland außer Hektik nichts geschehe. Von der Gemeinde finanzierte Arbeitsgemeinschaften und Förderkurse, die ein Gemeinderat vorgeschlagen hatte, seien in der Praxis nicht so einfach umzusetzen, erläuterte Schmid. Denn in der Grundschule solle man nur vormittags unterrichten und die Einteilung von Schülern in Förderkurse und die Abstimmung mit dem Hauptunterricht sei sehr aufwendig.
Die Hattenhofer Grund- und Hauptschule sieht der Schulleiter als humane Leistungsschule, intern wolle man die Schüler fördern und deren Demokratieverständnis entwickeln. Der staatliche Erziehungsauftrag lasse sich relativ leicht umsetzen, da sowohl die Kinder als auch die Eltern willig seien. Freilich gebe es auch ansatzweise Gewalt, hier wirke man vorbeugend. Bundesweite Studien hätten ergeben, so der Schulleiter, dass die Gewaltbereitschaft unter Schülern in den letzten 10 Jahren um über 400 % zugenommen habe. Vor allem ab der Pubertät seien oft Eltern total mit der Erziehung überfordert, die Schule sei stets auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Deswegen kooperiere die Grundschule eng mit dem Kindergarten und man trete früh in Kontakt zu Eltern von auffälligen Kindern.
Ein sehr wichtiges Projekt ist für Georg Schmid die "Klasse 2000". Hier gehe es um Suchtprophylaxe, Kinder sollen nachhaltig stark gemacht werden und lernen, dass Gesundheit ein hohes Gut und Drogen kein Ausweg sind. Bundesweit nehmen 116.000 Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse an diesem Projekt teil. Hattenhofen sponsort dieses Projekt, das unter anderem eine Psychologin beschäftigt, über Sponsoring und Schulfesteinnahmen. Die Gemeinde könne im Notfall finanziell einspringen, betonte abschließend BM Jochen Reutter. Die Rahmenbedingungen von Kindern und Jugendlichen müssten aber die in der Verantwortung stehenden gemeinsam leisten.
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