Bericht von der Gemeinderatssitzung
02.07.2008

Kurz berichtet Neubau gegenüber des Lebensmittelmarkts: Landratsamt hält Dachform für zulässig
Entwurfsplanung für neues Wohngebiet „Im Langen Morgen II“: Gemeinderat stimmt zu
Dichtere Bebauung auf marktüblichen Grundstücksgrößen
Abstand zu Landwirtschaft eingehalten, Wahlfreiheit bei Heizung
Erschließung über Ledergasse, Entwässerung im Mischsystem mit Zisternen Bauherren sollen Fundament mit „weißer Wanne“ schützen

Kurz berichtet
Nur für Einwohner: Die Gemeinde informiert in den Mitteilungsblättern der Nachbarkommunen hin und wieder über das Anlieferungsverbot am Hattenhofer Kompostplatz. Diesen Hinweis der Verwaltung nahm der Gemeinderat zur Kenntnis.
Ohne Genehmigung: Zum wiederholten Mal hat ein Hattenhofer Bürger eigenmächtig Wasserschlitze an Feldwegen angebracht und damit öffentliches wie privates Eigentum beschädigt. Die Gemeinde hat eine sofortige Wiederherstellung des vorherigen Zustands gefordert. Darüber informierte Bürgermeister Jochen Reutter die Gemeinderäte.
Dank für Unterstützung: Die Bemühungen von rund 45 Gemeinden hatten Erfolg. Die Debatte um eine Erweiterung des Stuttgarter Flughafens ist laut Ministerpräsident Oettinger bis auf weiteres beendet. BM Reutter übermittelte dem Gemeinderat den Dank der Filder-Gemeinde Neuhausen für die Solidarität aus Hattenhofen.
Interessenvertretung: Ein Regionalrat aus Göppingen rät den Gemeinden, rechtzeitig auf die Parteienvertreter im Planungsausschuss des Regionalverbands zuzugehen und dort für ihre Belange bei der Regionalplanfortschreibung zu werben.
Hoffen auf Filterung: Der derzeit stillgelegte Sauerbrunnen hat eine neue Pumpe und Aktivkohlefilter erhalten. Wenn der Testbetrieb ergibt, dass damit die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten werden können, soll der Sauerbrunnen wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden.
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Neubau gegenüber des Lebensmittelmarkts: Landratsamt hält Dachform für zulässig
Bei der umstrittenen Dachform des geplanten Neubaus in der Hauptstraße 12 handelt es sich um ein Satteldach. Diese Rechtsauffassung des Landratsamts nahm der Gemeinderat bei vier Gegenstimmen zustimmend zur Kenntnis. Die Verwaltung hatte zuvor zwei Rechtsmeinungen eingeholt: Der langjährige städtebauliche Berater der Gemeinde Dr. Jürgen Koch beurteilt die Dachform nicht als Satteldach, während die zuständige Genehmigungsbehörde im Landratsamt die Vorgaben des Bebauungsplans als erfüllt ansieht. Die Verwaltung hatte daher vorgeschlagen, die Rechtsmeinung der Genehmigungsbehörde anzuerkennen. Eine eventuelle Veränderungssperre mit anschließender Änderung des Bebauungsplans, was das einzige rechtliche Mittel für eine Umplanung wäre, hält die Verwaltung für unverhältnismäßig. Dem folgte die Mehrheit im Gremium, die unter anderem auf den gegenüber entstehenden Netto-Markt und das damit veränderte Ortsbild am Kreisverkehr verwies. Man solle auch unkonventionelles Bauen zulassen, so ein Sprecher. Gegen das Vorhaben sprachen sich vier Gemeinderatsmitglieder aus, die den geplanten Bau als Fremdkörper in der Ortsmitte empfinden. Man dürfe dort, so ein Sprecher, in einem von Satteldächern dominierten Ortsteil keine Trends abbilden, sonst habe man später ein ähnliches städtebauliches Negativbeispiel wie das Wohn- und Geschäftshaus in der Hauptstraße. Auch Gemeinderäte, die die Beurteilung des Landratsamts akzeptieren, waren allerdings irritiert, dass es in Deutschland keine klaren technischen Definitionen für ein Satteldach gibt. Als Konsequenz aus diesem Fall hat die Verwaltung den Auftrag, sämtlichen älteren Bebauungspläne daraufhin zu überprüfen, ob es dort unklare Vorgaben zur Dachform gibt.
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Entwurfsplanung für neues Wohngebiet „Im Langen Morgen II“: Gemeinderat stimmt zu
Dichtere Bebauung auf marktüblichen Grundstücksgrößen

Einstimmig (ein Mitglied fehlte) hat der Gemeinderat nach ausgiebiger Erläuterung durch den Planer den Entwurf des Bebauungsplans „Im Langen Morgen II“ mit örtlichen Bauvorschriften gebilligt und dessen öffentliche Auslegung beschlossen.
Anders als in den ersten Überlegungen enthält der Entwurf des Planungsbüros Kuhn aus Frickenhausen eine dreizeilige anstelle einer zweizeiligen Bebauung. Dies war von Angrenzern aus dem bestehenden Wohngebiet „Langen Morgen I“ kritisiert und als zu massiv bewertet worden. Die dreizeilige Bebauung ergibt sich aus dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, marktübliche und vermarktbare Grundstücksgrößen von höchstens fünf Ar Fläche anzubieten. Bei einer zweizeiligen Bebauung würde man Grundstücke von sechs bis sieben Ar erhalten. Da die Zielgruppe im neuen Wohngebiet vor allem junge Familien sind, wären diese Plätze dann nicht mehr bezahlbar. In der mittleren Bau-Zeile haben die künftigen Eigentümer die Wahlmöglichkeit zwischen Pultdach- und Satteldachgebäuden. Ansonsten sind, um das städtebauliche Konzept des bestehenden Wohngebiets fortzusetzen, nur Satteldächer und im gesamten Wohngebiet nur Einzelhäuser zulässig.
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Abstand zu Landwirtschaft eingehalten, Wahlfreiheit bei Heizung
Zum bestehenden Bullenmastbetrieb des landwirtschaftlichen Anwesens in der Ledergasse ist nach Vorgabe des Landwirtschaftsamts ein Mindestabstand von 80 Metern einzuhalten, weswegen ein potentielles Baugrundstück nicht bebaut werden kann, sondern als private Grünfläche und Wirtschaftswiese ausgewiesen wird. Auf dem landwirtschaftlichen Areal auftretende Emissionen sind von den künftigen Bewohnern des Wohngebiets zu dulden. Das Baugebiet wird südlich und westlich eingegrünt, wobei keine Schnitthecken, sondern heimische Laub- oder Obstbäume einen Übergang in die angrenzende hochwertige Landschaft bilden sollen. Auf den Wohngrundstücken sind ebenfalls Bäume zu pflanzen. Im Wohngebiet haben die künftigen Bauherren die Wahlfreiheit der Heizungsart, es wird aber auf regenerative Energien wie Solartechnik gesetzt. Ob Erdwärmeheizungen zulässig sind, wird sich im Zusammenhang mit dem derzeit geprüften Zustrombereich des Sauerbrunnens klären. Eine zentrale Energieversorgungslösung, beispielsweise in Form eines Blockheizkraftwerks, scheidet vor allem aus wirtschaftlichen Gründen aus.
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Erschließung über Ledergasse, Entwässerung im Mischsystem mit Zisternen
Die Haupterschließung des Gebiets erfolgt direkt über die Ledergasse über eine 5,75 Meter breite Straße. Zwei Stichwege erschließen die Grundstücke am südlichen Gebietsrand. Für Fahrzeuge besteht ein Durchfahrverbot in das angrenzende bestehende Wohngebiet, ausgenommen für das Müllfahrzeug. Als Verbindung zum Außenbereich soll ein Geh- und Radweg angelegt werden. Ein Kinderspielplatz wird aufgrund der geringen Gebietsgröße nicht eingerichtet. Es bestehen Spielmöglichkeiten für Kleinkinder im angrenzenden Wohngebiet sowie beim Kindergarten und in der Schützenstraße. Telekommunikationsfreileitungen will der Bebauungsplan nicht zulassen, das Gebiet soll verkabelt werden. Der derzeit bestehende Feldweg am südlichen Gebietsrand wird weitestgehend aufgelöst, da er keine bedeutende landwirtschaftliche Erschließungsfunktion hat.
Nach technischer und kostenmäßiger Überprüfung aller möglichen Entwässerungssysteme schlägt Planer Kuhn in Abstimmung mit dem Fachbüro VTG Straub aus Donzdorf eine Entwässerung im Mischsystem mit Rückhaltezisternen für Regenwasser auf den Grundstücken vor. Eine Versickerung von Oberflächenwasser scheitert an den dafür zu geringen Grundstücksgrößen und an den lehmigen Böden. Das Wasser in den Vorfluter, also in die Klärteiche oder in den Butzbach zu pumpen, wäre viel zu teuer.
Vor allem die Schutzgüter Boden und Landschaftsbild werden durch die Planung beeinträchtigt. Die landwirtschaftliche Produktionsfläche entfällt unausgeglichen. Durch eine externe Ausgleichskonzeption mit Maßnahmen zur Biotopvernetzung, zur Optimierung wertvoller Lebensraumkomplexe und zur Aufwertung der Landschaftsbildkultur können die Eingriffe jedoch ausgeglichen werden. Die Ausgleichskonzeption wird im Rahmen des Ökokontos mit dem Landratsamt abgestimmt. Geschützte Vogelarten sind durch die Planung nicht betroffen.
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Bauherren sollen Fundament mit „weißer Wanne“ schützen
Die Frage der Entwässerung wurde von mehreren Gemeinderäten mit den Planern detailliert diskutiert. Auf Anregung aus dem Gremium wird in den Bebauungsplan der Hinweis aufgenommen, dass Drainageleitungen – wie übrigens im gesamten Gemeindegebiet bis auf die Bereiche Sommergarten und Schützenstraße, die in die Klärteiche entwässern – nicht an die Kanalisation angeschlossen werden dürfen. Bauherren sollen vorsorglich eine optimierte Abdichtung des Gebäudefundaments errichten. Außer Pultdach und Satteldach möchte der Planer keine weiteren Dachformen zulassen, da das Wohngebiet, abgesehen von der Grundstücksgröße, das städtebauliche Konzept des bestehenden „Langer Morgen I“ fortsetzen soll. Festzulegen ist noch, wer die Grünflächen und die darin anzubringenden Nisthilfen pflegt, nämlich die Gemeinde oder die Bewohner. Auf kritische Nachfrage einer Gemeinderätin stieß die Planung eines Rad- und Gehwegs in den Streuobstbereich. Man brauche für Fußgänger und Radfahrer einen Ausgang in die freie Landschaft, so Planer Erich Kuhn, dieser fehle leider im ansonsten hervorragend gelungenen Wohngebiet „Langer Morgen I“.
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