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Vogelstimmen per Telefon, NWZ 01.09.2010

Nach intensiver Vorbereitung war es am Sonntag in Hattenhofen soweit: Hobby-Ornithologe Holger Reyher führte Projektbeteiligte nebst Naturfreunde durch den ersten Vogelschutzgebiet-Infoparcours

Sabine Ackermann

Hattenhofen. "Ich hab' nach dem Boxkampf extra noch mal gegoogelt, um nachzuschauen, ob und wo es so einen Infoparcours zum Thema Vogelschutzgebiet gibt", verrät der Hattenhofer Bürgermeister Jochen Reutter schmunzelnd. Abgesehen von seiner Heimatgemeinde ist er noch nicht fündig geworden. Dermaßen gut vorbereitet begrüßte er ein paar Dutzend Interessierte, die trotz des Nieselregens den Weg zum Naturdenkmal Eiche im Gewann Reustadt gefunden hatten.

Doch wenn die Kinderstube des europäischen Vogelschutzgebiets mit einem Infoparcours Einweihung feiert, ist den Naturschützern jedes Wetter lieb. "Zwei Jahre hat die Vorbereitung gedauert, und aufgrund unseres Alleinstellungsmerkmals sind wir auch ein Stückle weit stolz darauf", sagt der Rathauschef und nennt mit Nabu-Ortsvorstand Erwin Schwarz, dem Vertreter des landwirtschaftlichen Ortsvereins Georg Ilg, dem Albverein und dem Hobby-Ornithologen Holger Reyher weitere ehrenamtliche Macher, die gemeinsam mit Thomas Sippel, Landschaftsplaner des Netzwerks für Planung Kommunikation Stuttgart, diesen Pfad inklusive eines Hörrohrs zur Verstärkung der Vogelstimmen nebst zweier "Trauflieger" zum Verweilen kreiert haben.

"Piep mich an", locken unter anderem Grauspecht, Rotmilan, Turmfalke, Star oder Halsbandschnäpper auf übersichtlichen Infotafeln. Während des Rundgangs wusste Holger Reyer, der sich bereits seit seiner Kindheit intensiv mit Vögeln beschäftigt, jede Menge Interessantes zu erzählen. Stand einst der Neuntöter auf der roten Liste, hätten sich derzeit die Bestände stabilisiert.

Obwohl die Vögel sehr streßanfällig sind, nisteten letztes Jahr in Hattenhofen rund fünf bis sechs Paare. "Knapp 7500 Kilometer legen die Vögel auf ihrem Flug nach Afrika zurück, wobei ihnen Wüste, Freßfeinde und Nahrungsengpässe sehr zu schaffen machen", berichtet der Naturfreund. Reyher liegt die pädagogische Wirkung des Parcours am Herzen.

Vor 31 Jahren trat die Vogelschutzrichtlinie der EU (vormals EWG) infolge der millionenfachen Jagd mit Netzen, Leimruten, Fallen und automatischen Waffen auf Singvögel in Kraft und regelt seitdem den Schutz wildlebender Vogelarten und ihrer Lebensräume in der Europäischen Union sowie den Einrichtungen Europäischer Vogelschutzgebiete. Mit diese Richtlinie haben sich die Mitgliedstaaten zur Einschränkung und Kontrolle der Jagd ebenso wie zur Verwaltung von Vogelschutzgebieten als eine wesentliche Maßnahme zur Erhaltung, Wiederherstellung oder Neuschaffung der Lebensräume wildlebender Vogelarten verpflichtet.

"Wir haben hier mit der Erhaltung und Gestaltung seitens der Gemeinde, der Landwirtschaft und den Obstbauvereinen eine hervorragende Basis geschaffen, wo in anderen Orten vielleicht noch darüber diskutiert wird", freut sich Nabu-Ortsvorstand Erwin Schwarz, der sich im nächsten Jahr auch Führungen für Schulklassen vorstellen könnte.

 


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