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Gemeinde Hattenhofen

UMWELT / Hattenhoferin fliegt mit nach Kolumbien

Indianische Partner in Sachen Natur

Voralbgemeinde will gemeinsam mit anderen Kommunen verstärkt politisch arbeiten

Mit der Natur leben: Eine Delegation zehn süddeutscher Gemeinden soll sich bei Indianern in Kolumbien informieren, wie das geht und zudem die Grundlage für eine Partnerschaft schaffen. Mit dabei ist die Studentin Judith Fuchs aus Hattenhofen.

Energiegutachten, Stromsparlampen, ein Nahwärmesytem: Im technischen Bereich vor der eigenen Tür ist die Gemeinde Hattenhofen schon lange aktiv in Sachen Umweltschutz. Auf politischer Ebene dagegen "lief bisher gar nichts", sagt Hauptamtsleiter Norbert Baar.
Gemeinsam mit den beiden anderen Klimabündnis-Gemeinden im Landkreis Göppingen, Süßen und Geislingen, und sieben weiteren Kommunen will Hattenhofen das jetzt ändern. Denn, so Baar: Alles Energiesparen vor Ort nütze nichts, wenn die Rodung des Regenwaldes weitergehe und damit das Weltklima gefährdert werde. Die Umweltbeauftragte der Stadt Geislingen, Sonja Pfau, hat das Projekt ins.Rollen gebracht: eine Partnerschaft mit Indianern in Kolumbien.
Nach ersten Kontakten mit dem Rat der Indigenen Völker der Region Vaupes soll jetzt eine Gruppe von Privatleuten nach Kolumbien reisen, um Informationsmaterial als Grundlage für eine Zusammenarbeit zu sammeln.

"Partnerschaft mit Indios: Wer will nach Kolumbien reisen?" Unter dieser Uberschrift suchte die Gemeinde Hattenhofen im Mitteilungsblatt Mitglieder für die Delegation. Judith Fuchs hat sich gemeldet. Die hochtechnologisierten Industrienationen müßten von den Naturvölkern lernen, sagt die 21jährige Pädagogikstudentin aus Hattenhofen - lernen, "mit der Natur zu leben, ohne sie zu benutzen, ohne sie zu zerstören". Judith Fuch will ihren Beitrag dazu leisten.
Am Anfang steht das gegenseitige Kennenlernen. Deshalb fährt sie Ende November für zwei Wochen mit nach Kolubien - auf eigene Kosten. Das Reiseziel, die Region Vaupes, ist etwa so groß wie Baden-Württemberg. Rund 23 000 Menschen leben dort, 84 Prozent von ihnen sind Indianer. Im Rat der Indigenen Völker der Region Vaupes sind 14 Vereine zusammengeschlossen, die die einzelnen Ethnien vertreten. In einern Brief an die Partner in Süddeutschland haben sie ihre Region, ihre Probleme, ihre Hoffnungen beschrieben.
Der Rat wünscht sich unter anderem ein Bündnis zur Verteidigung der Umwelt und der Artenvielfalt, Expertenwissen, technische Hilfestellung und finanzielle Unterstützung für kleinere Projekte.

Der Kampf der Indios um den Erhalt ihrer Kulturen und Lebensräume ist auch für die Europäer von Bedeutung, sagt Norbert Baar. Es gehe jedoch nicht darum, die Indianer "zu instrumentalisieren, um die eigene Haut zu retten". Die Partnerschaft soll auf Gegenseitigkeit beruhen. Warum Stromsparlampen aufgestellt werden müssen, ist der Menschen leichter zu vermitteln als die Notwendigkeit, sich für der Regenwald und seine Bewohner ein zusetzen, weiß der Hattenhofer Hauptamtsleiter. Bewußtseinsbildung steht im Vordergrund: "Wir wollen zeigen, warum uns im Vor albland das Thema etwas angeht. "Finanzielle Unterstützung" - in kleinem Rahmen - sei erst möglich "wenn sichere Strukturen bestehen", wenn klar ist, wohin das Geld fließt. Für Judith Fuchs und Norber Baar ist das Engagement noch eine mit ungewissem Ausgang: "Wir betreten absolutes Neuland." Das Klimabündnis ist 1989 als Bündnis von unten" gegründet worden. Ihm gehören fast 700 Kommunen in Europa und Südamerika an. Ziele des Bündnisses sind die Halbierung de Kohlendioxidgase bis 2010, der Verzicht auf Tropenholz, die Reduzierung klimaschädigender Gase und die Unterstützung der indigenen also eingeborenen, Völker.

SABINE WAGNER, NWZ