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Gemeinde Hattenhofen

Hattenhofen: Aktiv im Klimaschutz

Nachfolgender Artikel wurde in der BWGZ ("Die Gemeinde", Organ des Gemeindetags Baden-Württemberg) Nr. 6/99 veröffentlicht. Der Autor ist Hauptamtsleiter von Hattenhofen.

Von Norbert Baar
In der Voralbgemeinde Hattenhofen (3.100 Einwohner) im Kreis Göppingen sind Naturschutz und Nachhaltigkeit seit 25 Jahren kommunale Schwerpunkte. Für ihr Engagement erhielt die Gemeinde 1985 die Goldmedaille im Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Seit 1993 ist Hattenhofen Mitglied im Klimabündnis.

Der Beitritt zur Alianza del Clima war angesichts der auf ökologische und nachhaltige Entwicklung ausgerichteten Grundhaltung ein folgerichtiger Schritt. Glaubwürdigkeit braucht das Vorbild. Deswegen spielt die Gemeinde für ihre Bürger und Gewerbebetriebe beim Klimaschutz den Vorreiter. Im Kommunalwettbewerb "Bundeshauptstadt für Umweltschutz" belegte Hattenhofen im Jahr 1996 Rang 69 unter 189 Teilnehmern.

Örtliches Energiesparkonzept
Ein Energiespargutachten untersuchte 1994 alle öffentlichen Liegenschaften und die Straßenbeleuchtung. Als Ergebnis wurde unter anderem die Straßenbeleuchtung auf Natrium-Dampf-Leuchten umgerüstet. Ein Wärmeverbund zwischen der überdimensionierten Schulgasheizung und der benachbarten Gemeindehalle ersetzt dieses Jahr die Stromheizung in der Halle. Die Nachrüstung mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) ist optional vorgesehen. Bei Sanierungen und Neubauten achtet die Gemeinde auf Niedrigenergiestandard. So wurde der neue Kindergarten in Holzbauweise mit einem Jahresheizbedarf von 40 Prozent unter der Wärmeschutzverordnung gebaut.

Ökologisch orientierte Bauleitplanung
Seit Mitte der siebziger Jahre sind etwa 40 Prozent des Gemeindegebiets mit Verbrennungsverboten für fossile Brennstoffe belegt worden (Gas ist zulässig). Im Neubaugebiet "Sommerweide II" mit 40 Bauplätzen erhalten die Häuser Wärme und Warmwasser von einer Heizzentrale. Diese wird demnächst vom privaten Betreiber mit einem BHKW nachgerüstet. Die Bauherren müssen ihre Gebäude im Niedrigenergiestandard errichten. Die Gemeinde versucht, mit örtlichen Handwerkern ein Modellprojekt mit günstigen Niedrigenergie-Holzhäusern zu verwirklichen.

Fördermaßnahmen
Die Gemeinde fördert seit Jahren finanziell den Bau von Zisternen sowie seit letztem Jahr auch von Solaranlagen.

Partnerschaft mit indigenen Völkern
Mit insgesamt neun weiteren Gemeinden aus dem süddeutschen Raum steht Hattenhofen am Beginn einer möglichen Partnerschaft mit Indios in Kolumbien. Dieses Jahr soll - wenn alles klappt - eine Delegation erste persönliche Kontakte dort knüpfen. Für Hattenhofen fliegt eine Studentin auf eigene Kosten mit. Die Gemeinde will bei diesem "exotischen" Thema vermitteln, dass das Sterben des Regenwalds auch das Voralbgebiet betrifft.

Energieberatung
Die Bauherren im Neubaugebiet erhalten kostenlose Energieberatung durch ein Tübinger Ingenieurbüro. Alle Einwohner der Gemeinde können sich zudem jeden Herbst nach Voranmeldung auf Gemeindekosten in allen Fragen der Energieeinsparung durch dasselbe Büro im örtlichen Bürgerhaus beraten lassen. Die mehrwöchige Aktion wird durch intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Leider nimmt der Beratungsbedarf in den letzten beiden Jahren ab. Das Angebot der Gemeinde wurde von Klimabündnis als "Aktion Energieberatung auf dem Dorf" öffentlich gewürdigt. Für das Jahr 2000 ist eine Klimaschutzausstellung geplant.

Stromsparlotto
Von den Schönauer "Stromrebellen" hat Hattenhofen das Stromsparlotto übernommen. Seit Anfang 1998 kommen wöchentlich Stromspartipps im Mitteilungsblatt. Jeder Haushalt, der einen abnehmenden Stromverbrauch gegenüber 1997 nachweist, kann Preise gewinnen. Für bestimmte Ergebnisse gibt es Lose. Je mehr Strom gespart, desto mehr Lose und desto größer die Chance auf einen Preis. Die Losziehung findet im März statt. Das Klimabündnis hat diese Aktion zum "Klimaschutzprojekt des Monats" April 1998 gemacht.

Öffentlichkeitsarbeit
Seit dem Beitritt zum Klimabündnis informiert die Gemeinde im Mitteilungsblatt regelmäßig, fast wöchentlich über klimarelevante Themen. Auch der kommunale Klimaschutzbericht wurde aufbereitet. Dies fiel dem Klimabündnis auf. Der Autor hielt daraufhin letztes Jahr in Stuttgart auf dem 4. Deutschen Fachkongress der kommunalen Energiebeauftragten Workshops zum Thema "Regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit in einer kleinen Gemeinde".

Lokale Agenda
Hattenhofen beginnt mit dem Prozess der Lokalen Agenda 21. Derzeit wirbt die Verwaltung intensiv um Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen, die ihre Interessen, ihre Kompetenz und ihre Vorstellung von nachhaltiger Entwicklung einbringen. Das Motto lautet: "Wie wünschen Sie sich Hattenhofen in fünf Jahren?"

Die Möglichkeiten einer kleinen Gemeinde
Auch eine kleine Gemeinde kann zum Klimaschutz beitragen. Ein Gemeinderat, der zu dem Thema steht, kommunale Maßnahmen zur Reduktion klimarelevanter Gase und regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung überzeugen auch die Einwohner. Schwierig ist allerdings die Erfolgskontrolle im privaten Bereich