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Seggen und Mikroben reinigen Abwasser in Hattenhofen

Kreisweit einmalige Teichkläranlage wir für 600 000 Mark ausgebaut - Heimstatt für viele Wasser- und Zugvögel

Die drei Teiche unterhalb der Hattenhofener Sommerweide im Kreis Göppingen erfüllen auch eine Aufgabe als Kläranlage. Weil sich die biologische Reinigung bewährt hat, werden die kreisweit einmaligen Feuchtbiotope jetzt erweitert. Rund 600 000 Mark soll ein vierter Teich kosten, mit dem die Gemeinde die bestehende Teichkläranlage vergrößern will. Die Erweiterung ist notwendig, um das geplante Neubaugebiet Sommerweide mit rund 200 zusätzlichen Einwohnern abwassertechnisch versorgen zu können. Da das Gebiet tiefer liegt als der Hauptkanal, der die Abwässer gesammelt zur Uhinger Kläranlage führt, stand als Alternative nur der Bau einer Pumpstation für rund eine halbe Million Mark zur Debatte.Der Gemeinderat entschied sich für die ökologisch wertvollere Variante, auch um Betriebskosten zu sparen.

Zweimal im Jahr wird der Schlamm aus den Teichen gebaggert, und die Männer vom Bauhof fischen regelmäßig Wasserpest und Wasserlinsen ab. Alles übrige erledigt die Natur, ganz ohne Strom- und Personalkosten: Die Mikroorganismen im Wasser zersetzen die Schmutzfracht Schritt für Schritt. Auch die Pflanzen spielen eine wichtige Rolle, denn Seggen, Schilf und Rohrkolben können Schadstoffe aus dem Wasser in ihrem Wurzelsystem speichern. Die Selbstreinigungskraft der Anlage ist so groß, daß das Wasser am Uberlauf des dritten Klärteiches wieder Trinkwasserqualität aufweist. Wer an den Teichen entlang spaziert, bemerkt neben dem Pflanzenreichtum auch Grünfrösche und Graureiher. Daß die Teichkläranlage darüber hinaus aber auch ein attraktiver Brut- und Rastplatz für zahlreiche Wasser- und Zugvögel ist, hat der Hattenhofener Biologe Bruno Ullrich beobachtet. Während einer Zugperiode zählte er 36 Arten wie Rohrammer, Beutelmeise, Laubsänger und Grasmücke. Die Vögel nutzen die Teiche im Herbst bei ihrem Zug ins Winterquartier als günstigen Rast- und Schlafplatz. Nicht nur auf der Durchreise sind dagegen Teichralle und Stockente, die gerne am Ufer im Schutz des hohen Schilfs brüten. Zu den Nachteilen einer Teichkläranlage befragt, nennt Bürgermeister Jochen Reutter lediglich den relativ hohen Flächenbedarf. So wird pro Haushalt eine Wasserfläche von rund 15 Quadratmetern veranschlagt.

CORINNA MEINKE, NWZ, Sommer 1999


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